Die Teilnehmenden des zweiten Treffens der Werkstatt schulentwicklung.digital in Leipzig. (Bild: Forum Bildung Digitalisierung / Katja Anokhina)

Am Anfang steht immer eine Vision von Schule

Bericht vom 2. Werkstatt-Treffen

Die sieben Handlungsfelder für die Schulentwicklung in der digitalisierten Welt und das Ziel, zu dem der Austausch bei der Werkstatt schulentwicklung.digital führen soll – daran haben die Vertretenden der 38 Werkstattschulen auf dem zweiten Treffen in Leipzig gearbeitet.

Durch den großen Tagungssaal der Villa Ida in Leipzig schallt ein elektronischer Jingle, der an die Musik eines Vintage-Computerspiels erinnert. Die rund 60 Teilnehmenden des Treffens beugen sich über ihre Handys und Tablets, wischen über die Bildschirme und tippen dann auf „absenden“: Über die spielbasierte Lern-App Kahoot wurde gerade bewertet, inwiefern die Online-Zusammenarbeit seit dem ersten Treffen in den Gruppen funktioniert hat. Sofort werden die Daten von der App ausgewertet und in eine Statistik überführt, die dazu dienen wird, den offenen Werkstattprozess an die Bedürfnisse der SchulleiterInnen und LehrerInnen anzupassen und weiter zu gestalten.  

                                (Bilder: Forum Bildung Digitalisierung / Katja Anokhina)

Überhaupt spielt der Einsatz neuer Technologien auf diesem zweiten Treffen eine besondere Rolle: Über ein Padlet (eine digitale Tafel, die von allen „befüllt" werden kann) wird die Zusammenarbeit dokumentiert. Auf einem so genannten „Markt der Möglichkeiten“ stellen die Teilnehmenden – ganz analog – ihre jeweiligen Gruppen-Ergebnisse zu den sieben Handlungsfeldern vor, die sie beim ersten Treffen identifiziert haben. Gleichzeitig können die „MarktbesucherInnen“ die Arbeit der anderen auf der Plattform Mattermost digital kommentieren und ergänzen – das Wissen aus den Werkstattschulen wird so zusammengetragen.  

Was bei diesem Vertiefungsprozess für jedes Handlungsfeld herausgekommen ist, was auf dem Weg hin zu einer digitalen Schule besonders zu beachten ist, und welche Rahmenbedingungen sich dafür grundsätzlich verändern sollten, wussten die VertreterInnen aus den sieben Gruppen am Ende des Treffens ziemlich genau.

„In der Politik geht es viel um Standards, aber mit diesem Konzept kann man Menschen nur schlecht angehen – da muss quergedacht werden.“ 

Thomas Weiss, Gymnasium Lerchenfeld

„Wir müssen einen Blick darauf werfen, wie man Material bewerten, verwalten, teilen und auffindbar machen kann.“                       

Torsten Becker, Gemeinschaftsschule Bellevue Saarbrücken    

„Neben den klassischen Investitionen muss man auch in Netzwerkstrukturen investieren.“ 

Günter Hoffmann, Gemeinschaftsschule Bellevue  

„Wichtig ist die Möglichkeit zur Teilhabe und Teilnahme für alle an Schule beteiligten – für SchülerInnen, Eltern und LehrerInnen.“ 

Claudia Potthoff, Oberschule Findorff

„Die Schulen brauchen die Verpflichtung, Fortbildungen machen zu müssen und auch die Legitimation, sie machen zu dürfen.“ 

Michael Wenzel, Schule im FiLB – Förderschule Kreis Gütersloh

„Digitalisierung ist ein Schulentwicklungsprozess, der sehr komplex ist. Am Anfang steht eine Vision.“ 

Viola Bauer, Johann-Turmair-Realschule Abensberg

„Es muss jemand an der Schnittstelle zwischen Technik und Pädagogik sein und das muss ausgebildet und bezahlt werden.“ 

Nils Peters, Theodor-Storm-Schule Husum

Neben der Gruppenarbeit zu den Handlungsfeldern gaben sich die TeilnehmerInnen des zweiten Werkstatt-Treffens aber noch weitere Impulse: In so genannten Speakers' Corners – kurzen Vorträgen, denen sich ein Erfahrungsaustausch mit den Zuhörenden anschließt – berichteten einige VertreterInnen der Werktstattschulen von Best-Practice-Beispielen aus ihren Institutionen. Unter anderem wurde diskutiert, mit welchen Methoden Schulleitungen den Wandel hin zum Digitalen anstoßen können, wie neue Technologien selbstorganisiertes Lernen unterstützen und wie guter Unterricht mit Tablets aussieht. 

Voneinander zu lernen war aber nicht der einzige Anspruch: Besonders wichtig war es den TeilnehmerInnen auch, Gelingensbedingungen für Politik, Bildungsverwaltung und Wirtschaft zu formulieren. Spontan entwickelte sich im Laufe des Treffens die Idee, einen 10-Punkte-Katalog aufzustellen – in kleinen Gruppen erarbeiteten die LehrerInnen und SchulleiterInnen Forderungen, die später zusammengetragen und präzisiert wurden. Bis zum Abschluss der Werkstatt-Treffen bei der Konferenz Bildung Digitalisierung 2017 am 23. und 24. November 2017 sollen die wichtigsten Punkte in einem Thesenpapier zusammengefasst und der Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden.