Drei Schulen aus der Werkstatt schulentwicklung.digital trafen auf der re:publica 17 auf die Netzgemeinschaft. (v. r. n. l. Vincent Steinl, Saskia Ebel, Maike Schubert, Stefan Neureiter, Bild: Forum Bildung Digitalisierung)

Digitale Schule trifft Netzgemeinschaft

Überwachung im Bildungssystem, Reality Gaming in der Weiterbildung oder Online-Alphabetisierung – auf der re:publica, der Konferenz rund um Themen der digitalen Gesellschaft, haben neue Bildungsansätze in der digitalen Welt mit dem re:learn-Track eine Bühne erhalten. Klar, dass die von der Stifungsinitiative Forum Bildung Digitalisierung ins Leben gerufene Werkstatt schulentwicklung.digital da nicht fehlen durfte.

„Wer von Euch hat beruflich mit Bildung zu tun?“, fragt Moderator und Projektleiter der Iniviative Vincent Steinl zu Anfang der halbstündigen Session auf dem ehemaligen Bahnhofsgelände am Gleisdreieck. Knapp die Hälfte der Anwesenden hebt den Arm. „Wie viele von Euch sind Lehrerinnen oder Lehrer? Ah, das sind schon deutlich weniger!“ Das Thema Schule und Digitalisierung scheint eben nicht nur Lehrerinnen und Lehrer zu interessieren – vielleicht auch, weil man auf der re:publica nicht viele Veranstaltungen mit explizitem Schulbezug findet. Die helle, unverputzte Halle ist bis auf den letzten Platz besetzt – die ZuhörerInnen stehen dicht gedrängt bis in den Eingangsbereich des Gebäudes oder sitzen auf dem Boden vor dem Podium. Sie warten gespannt darauf, dass die Vortragenden erzählen, wie sie die Potentiale digitaler Medien an ihren Schulen für guten Unterricht wirksam machen – und neue Technologien mit pädagogischen Konzepten verknüpfen.

Maike Schubert, Saskia Ebel und Stefan Neureiter kommen von drei der 38 Schulen der Werkstatt schulentwicklung.digital. Sie alle haben an ihren Schulen das Thema Bildung in der digitalen Welt in ihrem Schulprogramm verankert, bringen aber unterschiedliche Voraussetzungen und Konzepte mit:

Saskia Ebel, Tabletbeauftragte an der Walter-Eucken-Schule Karlsruhe
(Klassenstufen: 10-13)  

„Wir arbeiten als berufliche Schule eng mit den Betrieben zusammen und haben sie als (Finanzierungs-) Partner mit an Bord. Seit 2013 haben wir I-Pad-Koffer, und seit 2015 I-Pad-Klassen im Bereich Einzelhandel. Das Handyverbot wurde aufgehoben, sodass Smartphones an greifender Stelle im Unterricht eingesetzt werden können. Bis 2030 möchten wir aber auf BYOD (bring your own device) umstellen, um plattformunabhängig zu sein.“

Maike Schubert, Schulleiterin der Freiherr-vom-Stein Gemeinschaftsschule der Stadt Neumünster
(Klassenstufen: 5-10)

„Selbstorganisiertes Lernen steht bei uns im Mittelpunkt – und das Digitale passt hervorragend dazu. Jeder einzelne Schüler entscheidet selbst, wann er welche App einsetzt, unabhängig davon, wie der Lehrer das findet. Die Kinder bringen ihre eigenen Geräte mit, seit wir W-LAN haben, geht es technisch gut voran, nur mit der Stromversorgung gibt es noch viel zu tun. Die Lernkultur hat sich schon sehr gewandelt – der Veränderungsprozess weg von der Konkurrenz hin zur Kollaboration braucht aber Zeit.“

Stefan Neureiter, Schulleiter der Elisabethenschule in Frankfurt am Main
(Klassenstufen: 5-12)  

„Wir haben mit einem Computerraum angefangen, und haben bald die Medienbildung in allen Fächer aufgenommen. Jetzt haben wir Dokumentenkameras in jedem Raum – das hat das Lernen verändert, weil man mehr betrachtet, was SchülerInnen im Unterricht produzieren. Da uns der Schulträger kein W-LAN ermöglicht, ist es bisher noch schwierig, Software in der Schule und zu Hause zu nutzen. Wichtig ist bei uns daher die Arbeit in Netzwerken: Man besucht andere Schulen und Schulformen und arbeitet gemeinsam an Ideen.“

Konkrete Beispiele vom Einsatz digitaler Medien im Unterricht kamen weniger von den Vortragenden als von den SchülerInnen selbst – sie hatten kurze Videos vorbereitet.

 

Im Mittelpunkt des anschließenden Gesprächs mit dem Publikum standen vor allem praktische Fragen. Diskutiert wurden beispielsweise Strategien, mit denen man das ganze Kollegium in den Veränderungsprozess hin zu einer digitalen Schule mitnehmen kann: Setzt man auf den Druck seitens der SchülerInnen? Sollten SchulleiterInnen den Lehrkräften einfach keine Wahl lassen? Oder bietet man schulinterne Fortbildungen an? Vor allem die ZuhörerInnen aus anderen Branchen brachten außerdem die Frage auf, inwiefern Softwareentwicklung im Unterricht berücksichtigt wird und ob SchülerInnen überhaupt die Technologien und Konzepte kennenlernen, die dahinterstehen – es wurde über Coding mit dem I-Pad, Austausch mit schulexternen Partnern und über das Programmieren im Informatikunterricht gesprochen.

Besonders viel Diskussionsbedarf gab es auch bei der Frage, ob Konzepte mit BYOD oder plattformgebundene Lösungen eingesetzt werden sollten: Der Wunsch nach Lebensweltbezug und dem Erforschen verschiedenster Software mit den SchülerInnen stand dabei den technischen Standards (z. B. fehlendem W-LAN) und dem Umgang mit Daten gegenüber.

Die Schülerinnen und Schüler wissen jedenfalls sehr genau, was sie von den digitalen Möglichkeiten für ihre Bildung nutzen möchten: 

 

Und weil Treffen nicht nur einseitig stattfinden, haben wir uns unter den Besuchern der Session umgehört:


Präsentation

12.05.2017  | pdf

Im Anschluss an die Session wurde Saskia Ebel vom dctp.TV interviewt: