Gemeinsam neue Sprachen erlernen. (Bild: www.shutterstock.com/Rawpixel.com)

lernox – Integration mit digitalen Lernmaterialien

Nichts ist so ausschlaggebend für eine gelingende Integration in die Gesellschaft, wie der Spracherwerb und der Ausbau sprachlicher Fähigkeiten. Doch DaF (Deutsch als Fremdsprache) und DaZ (Deutsch als Zweitsprache) LehrerInnen müssen mit großen und in ihrem Leistungsniveau immer heterogener werdenden Lerngruppen umgehen. Um solche pädagogischen Herausforderungen zu meistern, sammelt die Plattform lernox frei im Netz verfügbare digitale Lehrmaterialien und bereitet sie didaktisch sinnvoll auf.

Deutschunterricht in einer Sprachlernklasse. Viele Schüler von unterschiedlicher Herkunft, unterschiedlichem Sprachniveau und Lernmotivation haben sich versammelt. Der Lehrende beginnt den Tag für alle Schüler mit der gleichen Übung – ein Lehrbuchtext zum Hörverstehen. Doch beim Lernen ergeben sich die unterschiedlichsten Schwierigkeiten: Dem einen fällt es schwer, sich die Aussprache bestimmter Vokabeln einzuprägen, der nächste hat Schwierigkeiten mit den vielen Besonderheiten in der deutschen Grammatik. Wieder andere würden größere Lernerfolge verzeichnen, wenn sie anstatt mit klassischen Übungstexten mit interaktiven Videos lernen könnten. Doch um auf diese individuellen Bedürfnisse jedes Schülers einzugehen, fehlt den Lehrenden oftmals die Zeit.

Hier setzt das Prinzip von lernox an. Denn hochwertige digitale Lernmaterialien für die verschiedensten Lerntypen gibt es in den Weiten des Internets zuhauf, sei es von Stiftungen, Schulbuchverlagen, Universitäten oder einzelnen Lehrkräften. Das Team von lernox aus praktizierenden Lehrkräften, Pädagogen und Softwareentwicklern sammelt diese Materialien unter besonderer Berücksichtigung pädagogischer Gesichtspunkte. Schließlich ist nicht unbedingt für das Lernen im Unterricht ideal, was von dem Google-Algorithmus aus einem ökonomischen Kalkül heraus vorgeschlagen wird. Die stets aktuellen und kostenlos nutzbaren Lerninhalte werden von der Redaktion in verschiedene Kategorien wie Lernstufe, Thema oder Materialart eingeteilt. Ähnlich wie in einem Baukastensystem kann nun jeder Nutzer der Seite nach diesen Kategorien filtern und ohne Anmeldung sofort in der Klasse damit arbeiten. Werden beispielsweise für das Sprachniveau A1-A2 Videolerninhalte gesucht, die das Leseverstehen der Schüler verbessern sollen oder doch für fortgeschrittene Schüler mit Sprachniveau B1-B2 Aufgaben zu Landeskunde und -kultur? Aufgabe des Lehrers ist, die konkreten Bedürfnisse der Schüler zu erkennen, entsprechend bei lernox aus den verschiedenen Wissensbausteinen zu wählen und sie in den Unterricht zu integrieren.

Digitales Lernen mit Hilfe von „Framing“ und BYOD

Der Clou des auf lernox gesammelten Inhalts besteht in der Art der Bereitstellung: Die Lerninhalte liegen nicht auf dem Server von lernox selbst, sondern werden durch eine visuelle Einbettung (Framing) bereitgestellt. So liegt nach der Rechtsprechung des Europäischen Gerichtshofs keine eigene urheberrechtliche Nutzung vor.  Die ursprüngliche Quelle des Materials ist dadurch immer sichtbar. lernox strebt an, möglichst viele Lernmaterialien einzubetten, die unter CC-Lizenzen stehen. Die Nutzung der Materialien im Unterricht wird so vereinfacht und die LehrerInnen haben gedanklich mehr Raum für das Lernen Mit- und Voneinander im Unterricht, weil sie sich weniger Gedanken um die verschiedenen Lizenzierungsmodelle machen müssen. Framing – das stellt letztendlich auch einen weiteren Vorstoß in Sachen Open Educational Ressources (kurz: OER)  dar.

Damit das Lernen mit lernox im Unterricht funktioniert, braucht es eine gute technische Ausstattung, die jedoch oft an Schulen nicht gegeben ist. Viel wurde daher in der Öffentlichkeit über die Möglichkeiten von Bring your own device (kurz: BYOD) diskutiert.
„Aus unserer Erfahrung mit den Willkommens- und Sprachlernklassen in den Schulen sowie den Deutschkursen für  Erwachsene haben wir gelernt, dass ab der Sekundarstufe I, alle, auch die Geflüchteten, Smartphones besitzen“, so Zwetana Penova, Gründerin und Geschäftsführerin von lernox. „Es gibt viele gute Möglichkeiten, Smartphones beim Spracherwerb in den Unterricht einzubinden. Darauf zu verzichten wäre schade, außerdem braucht man für die Gruppen- oder Partneraktivitäten nur ein Gerät. Aus diesem Grund möchten wir die LehrerInnen dazu ermutigen, die schon vorhandenen Smartphones in ihren Unterricht zu integrieren.“ Das Nutzen privater Endgeräte wie Smartphones oder Tablets ist also eine pragmatische Möglichkeit, lernox auch dort nutzen zu können, wo die technische Infrastruktur nicht von Haus aus gegeben ist.    

Lernen als zwischenmenschlicher Prozess

Das Erlernen einer neuen Sprache findet nicht bloß im digitalen Raum statt, sondern als Prozess und gelebte Praxis zwischen realen Personen. lernox versteht sich hierbei als adaptives Hilfstool, das LehrerInnen bei ihrer Unterrichtsgestaltung und der Entwicklung individueller didaktischer Konzepte unterstützt. Für 2017 ist in dieser Hinsicht einiges geplant bei lernox: „Das Jahr hat für uns positiv begonnen. Wir werden die lernox-Funktionen, die die Unterrichtsvorbereitung und das individuelle Lernen unterstützen, erweitern und mit neuen Inhalten füllen. Wir werden für den Schulalltag wichtige Themen wie Demokratie und Wertevermittlung sowie sprachsensibler Fachunterricht aufnehmen und Kooperationen mit relevanten Institutionen und Hochschulen eingehen.“ Es bleibt also spannend rund um die Aktivitäten dieses Jahr.

Im Deutschunterricht der Sprachlernklasse lösen die Schüler diesmal nicht alle die selbe Hörverstehensaufgabe aus dem Lehrbuch. Einige finden sich in Gruppen zusammen und bearbeiten um ein Tablet versammelt ein interaktives Video. Andere füllen jeder für sich einen Lückentext aus. Die Schüler suchen sich dabei teils selbst die für sie didaktisch aufbereiteten Aufgaben heraus. Die LehrerInnen unterstützen die SchülerInnen bei der Auswahl oder kümmern sich um die Fragen und Schwierigkeiten einzelner SchülerInnen, während der Rest der Klasse weiterlernen kann. 

Das Beispiel von lernox zeigt, wie durch die Nutzung digitaler Lernmaterialien die individuelle Unterrichtssituation von DaF und DaZ LehrerInnen vereinfacht werden kann. Durch eine didaktisch sinnvolle Bereitstellung digitaler Lernmaterialien können LehrerInnen trotz der steigenden Heterogenität in Sprachlernklassen Schülern personalisierte Lernmöglichkeiten anbieten – und so den Unterricht letztendlich besser und freier gestalten.

Text: Lukas Nowak 

  • Auf lernox direkt kostenfreie DaF und DaZ Lerninhalte entdecken und zusammenstellen.
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