(Bild: Deutsche Telekom Stiftung/Phil Dera)

DigitalPakt#D: Reaktionen auf die BMBF-Initiative

Am 12. Oktober 2016 hat Bundesbildungsministerin Prof. Dr. Johanna Wanka ihre "Bildungsoffensive für die digitale Wissensgesellschaft" vorgestellt. Darin vorgesehen ist auch der "DigitalPakt#D - ein Vorschlag an die Länder, in dem das BMBF fünf Milliarden Euro bereitstellen will, um die 40.000 Grund-, Berufs- und weiterführenden allgemeinbildenden Schulen in Deutschland mit digitaler Infrastruktur wie WLAN und Computern auszustatten. Im Gegenzug sollen sich die Länder verpflichten, die entsprechenden pädagogischen Konzepte und notwendige Fortbildungen und gemeinsame technische Standards zu erarbeiten.


Das Thema wird nun auch in einer breiten Öffentlichkeit diskutiert. Hier eine Auswahl unterschiedlicher Stimmen aus Politik, Zivilgesellschaft und Medien zum Vorstoß der Bundesministerin: 


Stimmen von Landesbildungsministern

Sylvia Löhrmann (B90/Grüne)
Ministerin für Schule und Weiterbildung des Landes Nordrhein-Westfalen:

"Es ist gut, dass der Bund seine gesamtstaatliche Verantwortung für die Bildung erkennt. Ich habe immer dafür plädiert. dass angesichts der stetig wachsenden sozialpolitischen Dimension von Bildung das Kooperationsverbot für den schulischen Bereich aufgehoben werden muss, damit der Bund sich wieder stärker an der Finanzierung guter Bildung im Bereich Schule beteiligen kann. Ich sehe das Angebot nun als ersten Schritt, dem hoffentlich noch weitere folgen, zum Beispiel Bundesinvestitionen in den Ganztag, in die Schulsozialarbeit oder in multiprofessionelle Teams bei der Inklusion."

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Sandra Scheeres (SPD)
Senatorin für Bildung, Jugend und Wissenschaft des Landes Berlin

"Ich begrüße diese Unterstützung. Berlin hat mit dem ‚eEducation Berlin Masterplan‘ bereits ein Konzept vorliegen, das zurzeit aktualisiert wird und einen guten Einstieg in die flächendeckende digital gesteuerte Bildung an Berlins allgemein bildenden Schulen bietet. Ich werde mich dafür stark machen, dass die Anzahl der Schülerinnen und Schüler in den Schulen, die lehrmittelbefreit sind sowie der Anteil der Schülerinnen und Schüler nichtdeutscher Herkunft auf Bundesebene Berücksichtigung findet, um die Mittel dann in Berlin bedarfsgerecht zu verteilen. Ziel ist es, unsere Schülerinnen und Schüler fit zu machen für die Arbeitswelt im 21. Jahrhundert und Kompetenzen zu vermitteln, die einen souveränen Umgang mit der Technik sowie die Risiken der digitalen Medien miteinschließt."

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Ties Rabe (SPD)
Senator für Schule und Berufsbildung des Landes Hamburgs

"Digitale Bildung entscheidet über die Zukunft unserer Kinder und unserer Gesellschaft. Wir begrüßen es deshalb, dass die Bundesbildungsministerin ihren bisherigen Widerstand gegen ein Schulförderprogramm des Bundes aufgegeben hat und fünf Milliarden Euro für die digitale Bildung an Schulen zur Verfügung stellen will. Das ist ein erster Schritt in die richtige Richtung. Doch den Ankündigungen müssen jetzt auch Taten folgen. Hier ist die Bundesbildungsministerin bislang viele Antworten schuldig geblieben."

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Ludwig Spaenle (CSU)
Bayrischer Staatsminister für Bildung und Kultus, Wissenschaft und Kunst

"Das Angebot von Kollegin Johanna Wanka begrüße ich nachdrücklich. Es zeigt die gemeinsame Verantwortung von Bund, Ländern und Gemeinden für eine moderne Bildungsinfrastruktur.“ Ob die Förderung durch den Bund rechtlich möglich sei, sei zu prüfen. „Wenn diese Förderung unter Wahrung der gegenseitigen Verantwortlichkeiten rechtlich möglich ist, kann dieses Angebot eine besondere Form des kooperativen Föderalismus darstellen."

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Stimmen aus den Lehrerverbänden

Udo Beckmann
Bundesvorsitzender des Verband Bildung und Erziehung

Unsere Forderungen scheinen endlich erhört zu werden. Von uns in Auftrag gegebene, repräsentative Befragungen haben immer wieder ergeben, dass Lehrkräfte gerne mit digitalen Geräten unterrichten würden, dies aber aufgrund fehlender Ausstattung gar nicht können. Den Vorstoß von Bundesbildungsministerin Wanka begrüßen wir daher im Grundsatz."

Gleichzeitig schränkt er aber ein: „Natürlich wird man abwarten müssen, wie die Umsetzung im Einzelnen erfolgen soll. Die Grundrichtung aber stimmt: Computer und WLAN an allen 40.000 Schulen, damit endlich praktisch gelebt werden kann, was von der Politik ständig eingefordert wird."
http://www.vbe.de/presse/pressedienste/aktuell/aktuell-detail/article/vbe-begruesst-ankuendigung-zum-digital-pakt-des-bmbf.html

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Josef Kraus
Präsident des Deutschen Lehrerverband

"Die Euphorie ums Digitale kann ich nicht nachvollziehen", sagte Kraus bei heute.de. Er glaube nicht, dass durch mehr Computer an den Schulen die Qualität des Unterrichts steige. "Im Gegenteil, es entstehen eher Kollateralschäden", sagte er. Schüler bekämen durch Suchmaschinen nur noch häppchenweise Informationen. "Viele lesen gar keine Bücher mehr."

"Ich hätte mir eher eine Initiative für Schulbibliotheken gewünscht. Bücher sind Wissen ohne Verfallsdatum." Milliarden auszugeben für neue Rechner - das sei eher ein "Konjunkturprogramm für die Computerindustrie". Außerdem hätten Schulen ganz andere Sorgen. Viele Schultoiletten seien in einem katastrophalen Zustand. "Da lang ich mir doch ans Hirn, die Prioritätenliste müsste ganz anders sein"

Zum heute.de-Beitrag

Heinz-Peter Meidinger
Vorsitzender des Deutschen Philologenverband

"Ohne eine gleichzeitige Sicherstellung der professionellen Betreuung der immer komplexeren Netzwerke und EDV-Anlagen an Schulen durch IT-Fachleute wird diese lobenswerte Initiative von Frau Wanka verpuffen und keinen nachhaltigen Effekt erzielen. Das Hauptproblem bei der Digitalisierung von Schulen ist nicht vorrangig die Frage der Endgeräte, sondern das Fehlen einer professionellen, jederzeit verfügbaren Betreuung durch nur dafür zuständiges Personal, wie es in jedem Wirtschaftsunternehmen heute Standard ist."

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