(Bild: Siemens Stiftung/Maria Schumm-Tschauder)

Open Educational Resources: Offenheit macht Schule – aber wie?

Chancen und Herausforderungen offener Bildungsressourcen (OER)

Auf der politischen Agenda sind Open Educational Resources, kurz: OER, präsent (siehe Kasten). Aber wie steht es mit OER in der Schulpraxis? Lehrkräfte stellen sich im Zusammenhang mit OER immer wieder folgende Fragen: Worin besteht der pädagogische Mehrwert? Wie steht es um die Qualität der Materialien? Wie sind die Nutzungsrechte definiert? Wie kann ich OER selbst entwickeln und was muss ich dabei beachten? 

Warum OER?

Im Netz lässt sich unendlich viel interessantes und aktuelles Material für den Unterricht finden, das aber nur eingeschränkt eingesetzt und oft nicht verändert werden darf. Die urheberrechtlichen Bestimmungen setzen Lehrkräften strikte Grenzen. Bei OER räumen die Produzenten von Materialien den Nutzern mit Hilfe von Standardlizenzen das Recht ein, unter Einhaltung gewisser Vorgaben ihre Materialien frei zu nutzen. Durchgesetzt haben sich hier weitgehend die CC-Lizenzen der gemeinnützigen Organisation Creative Commons.

Das Ergebnis: Lehrkräfte können die Bildungsressourcen nicht nur im Unterricht einsetzen, sondern diese auch an spezifische Unterrichtsbedarfe anpassen, mit anderen Materialien mischen oder an andere Nutzer, egal ob Lernende oder Lehrende, weitergeben. OER fördern damit kollaboratives Arbeiten zwischen Lehrkräften und tragen zu einer effizienteren Nutzung von digitalen Lehr- und Lernmaterialien bei. OER schaffen neue Möglichkeiten für personalisiertes Lernen, individuelle Förderung sowie für mehr Chancengerechtigkeit. Schülerinnen und Schüler lernen im aktiven Umgang mit OER motivierter. Gemeinsam im Team können sie kreativ sein und neue Inhalte schaffen, die über den Klassenraum hinaus sichtbar und nutzbar sind. 

OER in Bundes- und Landespolitik

Im Oktober hat das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) mit dem DigitalPakt#D ein Zeichen gesetzt: Die darin enthaltenen sechs Maßnahmen sollen die digitale Bildung an Schulen vorantreiben. Eine davon ist die Einrichtung einer Informationsstelle für Open Educational Resources (OER). Unter dem Namen „OERinfo“ soll es ab Frühjahr 2017 ein neues Angebot mit Informationen, Transfer und Vernetzung zu OER geben.
Auch die Kultusministerkonferenz bereitet für Ende 2016 eine umfassende Strategie zum digitalen Lernen und Lehren vor. Diese wird übergreifende Ziele, Handlungsfelder sowie konkrete Verfahrensvorschläge, unter anderem zu OER, enthalten. 

OER sind... Lehr-, Lern- und Forschungsressourcen in Form jeden Mediums, digital oder anderweitig, die gemeinfrei sind oder unter einer offenen Lizenz veröffentlicht wurden, welche den kostenlosen Zugang sowie die kostenlose Nutzung, Bearbeitung und Weiterverbreitung durch Andere ohne oder mit geringfügigen Einschränkungen erlaubt.

(aus der „Pariser Erklärung“ vom Juni 2012 auf dem UNESCO-Weltkongress zu Open Educational Resources)

Potenziale und Herausforderungen

Die Praxis jedoch zeigt, dass der Einsatz von OER im Unterricht auch neue Fragen mit sich bringt. Die Herausforderung besteht darin, diese Fragen aufzugreifen und zufriedenstellende Antworten zu geben. Es ist unerlässlich, Informationsdefizite und Unsicherheiten zu beseitigen. Nur dann können die Potenziale von OER auch in der Schule genutzt werden. Derzeit kristallisieren sich die folgenden Themenschwerpunkte heraus, mit denen wir uns dringend auseinandersetzen sollten:

  • Worin besteht der Mehrwert von OER? Sind es die rechtssichere Nutzung der Materialien oder die flexiblen Einsatzmöglichkeiten aufgrund ihrer Veränderbarkeit? Welche Lehr- und Lernmethoden gibt es, die sich mit OER besser einsetzen lassen als mit herkömmlichen Schulbüchern? Sind die Einwände der Kritiker diesbezüglich gerechtfertigt und wenn ja, wie kann man sie entkräften?
  • Wie steht es um die Qualität von OER? Wie kann sichergestellt werden, dass das Material nicht nur fehlerfrei, sondern auch für das Fach und die jeweilige Klassenstufe geeignet ist? Schließlich gibt es für OER kein förmliches Zulassungsverfahren oder Gütesiegel. Und welche Verantwortung haben dabei die Medienanbieter selbst? Es wird nicht einfach sein, für offen lizenzierte Materialien geeignete Qualitätssicherungsinstrumente zu entwickeln.
  • Wie geht die Entwicklung eigener OER? Eigene OER zu erstellen, ist nicht trivial und muss geübt werden. Oft fehlen Zeit oder technisches und rechtliches Know-how. So wird in diesem Zusammenhang häufig diskutiert, ob das Lizenzierungsverfahren nicht zu kompliziert ist und dadurch unwissentlich Urheberrechtsverletzungen möglich werden. Lehrkräfte brauchen Hilfestellung, wie sie gemeinsam mit Kolleginnen und Kollegen eigene OER entwickeln und für andere rechtssicher zur Verfügung stellen können. Dazu braucht es wenige, aber wichtige Regeln. 

 

 

OER bei der Siemens Stiftung

Die Siemens Stiftung fördert aktiv die Entwicklung und Verbreitung von offenen Bildungsressourcen  (OER). Auf ihrem Medienportal stehen Lehrern und Schülern rund 2.200 qualitativ hochwertige OER für den MINT-Unterricht bereit. Die Anzahl wächst kontinuierlich. Ansprechpartnerin für alle Fragen rund um OER bei der Siemens Stiftung ist Dr. Franziska Frost.

Dieser Beitrag steht unter der Lizenz CC BY 4.0 – Urheber: Maria Schumm-Tschauder für forumbd.de