Die Qualität von OER (Bild: Orbit PR für Siemens Stiftung/CC BY 4.0)

Von „sehr gut“ bis „mangelhaft“ – die Qualität von OER erfordert einen genauen Blick

Der Lehrer von heute ist ein Begleiter und Coach, der Schüler auf ihrem Lernweg unterstützt und anleitet. Für diese neue Lernkultur sind Materialien gefragt, die sich an aktuelle Lern- und Unterrichtsbedarfe anpassen lassen, um jeden Schüler bestmöglich zu fördern. Offene Bildungsmaterialien (OER) entsprechen diesen Anforderungen wegen ihrer Vielseitigkeit, Veränderbarkeit und ihren flexiblen Einsatzmöglichkeiten. Die Qualität der verfügbaren OER – ob digital oder analog – ist dabei so divers wie das Angebot selbst. Wir zeigen, worauf Lehrkräfte bei der Auswahl von OER achten sollten.

Was macht die Qualität von OER aus? Woran lässt sich Qualität erkennen?

OER lassen sich, wie andere Materialien für den Unterricht, zunächst inhaltlich beurteilen: Entscheidend sind der fachliche Gehalt, sowie korrekte und neutrale Inhalte. Informationen zu kontrovers diskutierten Themen sollten nicht einseitig oder lückenhaft dargestellt sein. Lehrmaterialien, die versteckte Werbung für Firmen oder deren Produkte enthalten, sollten nicht bedenkenlos im Unterricht eingesetzt werden. Fachliche Qualität von OER ist meist gewährleistet, wenn einschlägige Lehrkräfte oder fachverwandte Experten an der Erstellung beteiligt waren.

Worauf Lehrkräfte achten sollten:

Lehrkräfte sollten prüfen, ob die Autoren von OER einen ausreichenden fachlichen Hintergrund mitbringen. Darüber hinaus sollten sie stets hinterfragen, wer ein bestimmtes Unterrichtsmaterial aus welchen Motiven im Netz zur Verfügung stellt und welche Botschaften darin vermittelt werden.

Im Internet verfügbare Materialien sind nach deutscher Gesetzgebung urheberrechtlich geschützt. Auch die Nutzung von OER erfordert bestimmte rechtliche Voraussetzungen. Die zentrale Frage lautet: Welche Nutzungsrechte räumt der Urheber seinen Nutzern unter welchen Bedingungen ein? Um Klarheit zu schaffen, hat der Verein Creative Commons die sogenannten CC-Standardlizenzen (z. B. CC BY) eingeführt. Diese lassen erkennen, ob ein Material verändert sowie veröffentlicht werden darf bzw. ob und wie der Urheber dabei zu benennen ist.

Worauf Lehrkräfte achten sollten:

Lehrkräfte sollten sich bei der Nutzung und Veränderung offener Materialien stets mit den Lizenzbedingungen vertraut machen. Beim Erstellen von OER sollten ausschließlich Quellen verwendet werden, die rechtlich unbedenklich sind. 

Entscheidend für den erfolgreichen Einsatz von Lehr- und Unterrichtsmaterialien ist deren pädagogisch-didaktische Qualität. Lehrkräfte stellen sich folgende Fragen: Entspricht das Material den angestrebten Lernzielen? Ist es angemessen für meine Schülergruppe? Werden individuelle Förderbedarfe berücksichtigt? Welche didaktischen Methoden sind angewandt? 

Worauf Lehrkräfte achten sollten:

Qualitätsvolle Lehr- und Lernmaterialien beinhalten Handreichungen für Lehrkräfte mit Hinweisen zur pädagogisch-didaktischen Einbettung. Hilfreich sind außerdem aussagekräftige Meta-Daten über Zielgruppen, Lernziele, verwendete Methoden sowie die Einbindung in Lehr- und Bildungspläne. 

Die Besonderheit von OER im Schulkontext liegt in der Veränderbarkeit der Materialien. OER lassen sich i. d. R. bearbeiten und können so für unterschiedliche Lernzwecke und Zielgruppen angepasst werden. Voraussetzung sind veränderbare Dokumente und Anwendungen (z. B. bearbeitbare Word-Dokumente, offene Quellcodes). Diese ermöglichen ferner ko-kreative Arbeitsformen, sowohl zwischen Lehrkräften als auch zwischen Schülern. 

Die Nutzer von heute sind die Anbieter von morgen!

Der Einsatz von OER im Unterricht bietet große Potenziale für einen abwechslungsreichen und differenzierenden Unterricht. Voll ausschöpfen lassen sich diese nur, wenn mehr Lehrkräfte nicht nur OER einsetzen, sondern auch selbst erstellen, verändern und anderen zur Verfügung stellen. Ein sensibler Umgang mit Rechtefragen ist dabei das oberste Gebot. Entwickelt sich neben einer Kultur des Teilens auch eine Kultur des Vertrauens im Umgang mit OER, sind wir auf dem richtigen Weg – vorausgesetzt die Qualität ist gegeben!

Checkliste zur Beurteilung der Qualität von OER 

  1. Sind die Inhalte des Mediums vollständig und fachlich richtig?
  2. Handelt es sich beim Medienanbieter um eine vertrauenswürdige Quelle? Sind die Inhalte wertneutral dargestellt?
  3. Sind die Lizenzbedingungen klar ersichtlich und verständlich? Genügen die eingeräumten Nutzungsrechte meinem Vorhaben (z. B. Veränderung, Wiederveröffentlichung)?
  4. Eignet sich das Medium für meine Unterrichtszwecke? Gibt es pädagogisch-didaktische Hinweise zum Einsatz des Mediums?
  5. Lässt sich das Medium auf meine spezifischen Unterrichtsbedarfe anpassen?
  6. Inwiefern werden digitale Potenziale genutzt?
  7. Sind die technischen Voraussetzungen für den Einsatz des Mediums gegeben?



Dieser Beitrag steht unter der Lizenz CC BY 4.0 – Urheber: Dr. Franziska Frost für forumbd.de