(Bild: Forum Bildung Digitalisierung / Katja Anokhina)

„Wie können wir Schule ins 21. Jahrhundert bringen?“

Handlungsdimensionen aus der Praxis

Auf dem ersten Treffen der Werkstatt schulentwicklung.digital in Kassel kamen LehrerInnen und SchulleiterInnen von 38 Schulen aus ganz Deutschland zusammen, um sich auszutauschen - über Bildung und Digitalisierung. Welche acht Handlungsfelder für den Weg von Schulen ins digitale Zeitalter sie dabei herausarbeiteten, lesen Sie hier im Überblick. Oder hören Sie: Wer möchte, kann hier einigen Gruppen-Gedanken über "Partizipation" und "Materialen" lauschen.

Partizipation

... kann durch digitale Medien gefördert werden.

Einerseits können sich Eltern, SchülerInnen und das Kollegium über Kommunikationsplattformen regelmäßiger und lebensnäher austauschen. Vor allem aber entsteht in einer offenen Schulkultur auch der Anreiz, Eltern, SchülerInnen und Lehrkräfte gleichermaßen am System Schule zu beteiligen: von der Finanzierung der Geräte, die ohne Elternbeteiligung kaum umsetzbar ist, über das gemeinsame Formulieren von Regeln für den Umgang mit digitalen Medien, bis hin zur Einbindung aller Beteiligten in Weiter- und Fortbildungen zu digitalen Medien. Mitsprache und Mitbestimmung können zu einer höheren Identifikation mit der eigenen Schule führen und so zu einer positiven Schulatmosphäre beitragen.

Technik

... ist die Grundlage.

Der Einsatz digitaler Medien setzt eigentlich eine volle Ausstattung mit Breitband, Servern und Geräten voraus, die allzeit funktionstüchtig und für Kollegium und SchülerInnen einfach handhabbar sind. Dies ist bisher aber selten der Fall. Daher spielen besonders der technische und pädagogische Support eine wichtige Rolle bei der Digitalisierung von Schule: Einerseits bedarf es ExpertInnen, die sich mit der Technik, mit Fragen rund um Nutzervereinbarungen, Zugriffsrechte und Versicherungen auskennen; und andererseits KollegInnen, die wissen, wie man pädagogisch sinnvoll mit der Technik umgeht.

Fortbildungen

... sollten Lehrkräfte dabei unterstützen, ihre Sicherheit im Umgang mit neuen Technologien, Lehr-Lern-Material und Daten weiterzuentwickeln.

Damit das Kollegium die Möglichkeit hat, sich fächerübergreifend und fachspezifisch im Umgang mit digitalen Medien zu bilden, sollten Fortbildungen direkt im schulinternen Medienkonzept implementiert werden. Ressourcen, die im eigenen Kollegium bestehen, können durch den Peer-to-Peer-Ansatz nutzbar gemacht werden. Durch Mikrofortbildungen, kollegiale Hospitationen an anderen Einrichtungen oder externe Schulungen können einzelne Lehrkräfte zu MultiplikatorInnen werden, die neues Wissen an ihre Schulen tragen. Daher ist es ratsam, auch über die Einzelschule hinaus Netzwerkstrukturen im Fortbildungsbereich auszubauen.


Der rechtliche Rahmen

... muss Lehrkräften und SchülerInnen so viel Sicherheit geben, dass sie sich auf die eigentliche Arbeit konzentrieren können.

Dies setzt voraus, dass Nutzungsrichtlinien bekannt gemacht werden, die jederzeit verfügbar sind - auch für lizenzfreie Lernmaterialien (OER) - denn der Umgang mit den Standard-Lizenzverträgen von Creative Commons ist noch immer ziemlich komplex. Langfristig ist es aber notwendig, Konzerne zu Datenschutzkonformität zu bewegen, damit die Zugänglichkeit zu Learning Management Systems (LMS) auch für Schulen erleichtert wird.

Lernen & Prüfen

... mit und über digitale Medien kann Unterricht verändern:

Es ermöglicht und erfordert selbstgesteuerte, kooperative und hoch individualisierte Lehr-Lern-Konzepte. Konkrete Umsetzungsmöglichkeiten bieten der Projektunterricht, die Methode des "flipped classrooms", aber auch der Einsatz von Lerntagebüchern und e-Portfolios. Mit diesen neuen Lernprodukten geht auch eine veränderte Form der Bewertung einher: Standardisierte Prüfungsformen sollten zumindest durch Fachgespräche über den Lernprozess der SchülerInnen ergänzt werden - hierfür wiederum bedarf es eines Kompetenzrasters, in dem das methodische und das inhaltliche Lernen konkreter gefasst werden.

 

 

 

 

Steuerung & Teamstrukturen

... müssen auf dem Weg zu einer digitalen Schule angepasst werden.

Oft hört man, es sei schwer, das ganze Kollegium in den Digitalisierungsprozess zu integrieren: Aus Motivations- und Zeitgründen. Damit Teams ergebnisorientiert arbeiten können und Digitalisierung nicht zur frustrierenden Zusatzaufgabe wird, sollten neue Arbeitszeitmodelle diskutiert werden und Verantwortungen geklärt werden - beispielsweise mithilfe von Organigrammen. Zudem sind für die Lust am Arbeiten mit digitalen Medien schulinterne Fortbildungen für alle KollegInnen und eine wertschätzende Fehler- und Kommunikationskultur wichtig.

Materialien

... Tablets, Audio, Handy - die Einbindung digitaler Technologien erweitert automatisch den Bedarf an Unterrichtsmaterialen.

Da seitens der Schulbuchverlage bisher noch wenig auf den Markt kommt, stehen Lehrkräfte oft vor der Frage, was aus dem Internet wann und wie verwendet werden sollte - und auf welchen Plattformen es veröffentlicht werden darf. Zum Ausbau von Open Educational Resources (OER) gehört daher nicht nur funktionierende Technik, sondern auch rechtliche Sicherheit und eine Kultur des Teilens seitens der Schulen, Länder und Verlage.

Netzwerke

... sind unabdingbar, wenn Schule im digitalen Zeitalter ankommen soll.

Wichtig dabei - nachdem die Fragen nach der Koordination und der finanziellen Unterstützung des Netzwerkes geklärt sind - ist vor allem die regionale Zusammenarbeit von Schulen mit verschiedenen Trägern und unterschiedlichen Konzepten. In schulformübergreifenden, regelmäßigen und personenunabhängigen Treffen können Lehrkräfte, SchulleiterInnen, Eltern und SchülerInnen regionale Ziele zur Bildung mit digitalen Medien erarbeiten, sich austauschen und voneinander lernen.