Community Call: Digitale Grundschule

COMMUNITY CALL: DIGITALE GRUNDSCHULE

Am 3. April findet der dritte Community Call zum Thema Digitale Grundschule statt. Vorab haben wir mit Madlen Klarhorst, Schulleiterin der Grundschule Brake in Bielefeld und Dana Graber und Christian Felgner, IT-Beauftrage und Konrektor an der Pablo-Neruda-Schule über die aktuelle Situation, Herausforderungen für Grundschulen und Unterstützung von außen gesprochen. Beide Schulen nehmen Programm Schule in der digitalen Welt des Stifterverbandes teil.

Die mit der Corona-Pandemie einhergehenden flächendeckenden Schulschließungen stellen Schulleitungen, Lehrkräfte, Eltern und Schülerinnen und Schüler vor neue Herausforderungen. Gleichzeitig kann die aktuelle Situation auch erfinderisch machen und eine wichtige Chance zur digitalen Fortbildung für Schulleitungen, Lehrkräfte und Schülerinnen und Schüler werden.
Vor diesem Hintergrund hat das Forum Bildung Digitalisierung Community Calls als Online-Austauschformat  ins Leben gerufen, um einen moderierten Rahmen zu schaffen, um sich über aktuelle Herausforderungen und Chancen auszutauschen. Das Angebot richtet sich an Schulleitungen, deren Teams und andere für die Digitalisierung an Schulen verantwortlichen Personen. Im Vordergrund steht der gemeinsame Austausch und die Bündelung von Ressourcen und Anstrengungen. Wir hoffen, dadurch Mut zu machen und wollen anregen, erste bzw. weitere Schritte in Richtung neuer, digital gestützter Lernformate gemeinsam zu gehen. Ein dritter Community Call zum Thema Digitale Grundschule findet am 3. April um 11:00 Uhr statt.

Die aktuelle Situation ist für alle Schulen neu und herausfordernd. Als Grundschulen haben Sie die zusätzlichen Herausforderungen, dass die Schülerinnen und Schüler jünger sind und viele keine eigenen Endgeräte besitzen. Wie sind die Erfahrungen nach zwei Wochen Schulschließungen und wie unterstützen Sie als Schulleitung dabei das Kollegium?

Madlen Klarhorst: Die Schülerinnen und Schüler erhalten Wochenpläne und Aufgaben, die sie anhand ihrer Lehr- und Lernmaterialien bearbeiten können. Der Bereich Medien und digitale Endgeräte spielt besonders in der Kommunikation und nicht unbedingt im Bereich Lernen eine Rolle. Die Schülerinnen und Schüler kommunizieren teilweise mit den Kolleginnen über Anton oder schreiben E-Mails.

Christian Felgner: Ich habe am Anfang der Situation die Zeit damit zugebracht, alle Informationen für die Kolleginnen und Kollegen aufzubereiten und für jeden einen Plan zu erstellen, was er wann zu tun hat. Das stieß auf sehr positive Resonanz. Danach hat dann jeder nach seinem Plan seine Aufgaben erfüllt. Seitdem ist es recht ruhig, was ich so deute, dass es läuft. Wir sind täglich in der Schule präsent, telefonisch erreichbar und sobald ich neue Informationen habe, bereite ich diese auf und leite es online an die Kolleginnen und Kollegen weiter. In den Klassen gibt es die verschiedensten Rückmeldungen seitens der Eltern. Einigen ist die Übermittlung zu stark, anderen zu gering an digitale Geräte gekoppelt. Einige möchten mehr Aufgaben, andere weniger.  Unsere Schülerschaft kommt aus dem ganzen Spektrum der Gesellschaft, so dass die Meinungen und Rückmeldungen vielfältig sind. Unsere Aufgabe wird es sein, diese Rückmeldungen Ernst zu nehmen und bei der weiteren Arbeit nach den Ferien, wie auch immer diese aussehen wird, zu berücksichtigen.

Dana Graber: Große Herausforderung war es, einen einheitlichen Kommunikationsweg mit den Eltern und auch mit den Kolleginnen und Kollegen zu schaffen, Betreuungsbedarf zu ermitteln und Materialien an die Schülerinnen und Schüler herauszugeben. Auf unserer Lernplattform Lernsax mussten zudem Profile für alle Klassen und somit alle Schülerinnen und Schüler angelegt werden. Das funktioniert grundsätzlich recht schnell mit einem Tool und unserem SaxSVS (Schülerverwaltungsprogramm). Allerdings war die Plattform in der ersten Woche völlig überlastet, da das Land Sachsen diese Plattform ausdrücklich empfiehlt und somit viele Schulen darauf zugreifen. Die Kolleginnen und Kollegen konnten dann damit arbeiten, Zugänge an die Eltern herausgeben und damit beginnen, Aufgaben, Arbeitsblätter oder Lernpläne online zu stellen. Die KollegInnen und Kollegen, die nicht mit der Plattform arbeiten, lassen ihren Schülerinnen und Schülern bzw. den Eltern die Aufgaben per E-Mail zukommen. Ich habe am Freitag außerdem mit einem Teil meiner Klasse eine Videokonferenz gehabt und es war sehr schön, auch wieder ein wenig den persönlichen Bezug zu den Kindern zu bekommen. Denn dieser ist eben in der Grundschule sehr wichtig. Wir haben auch Klassen mit hohem Migrationsanteil. Dort stellt sich die Kommunikation schwerer dar. Eltern verstehen die Informationen teilweise nicht, auch haben einige Familien – auch ohne Migrationshintergrund – keine digitalen Endgeräte, um Aufgaben auszudrucken oder sich anzusehen.

Kommunikation ist in diesen Tagen besonders wichtig. Wie haltet ihr untereinander Kontakt als Kollegium und mit den Schülerinnen und Schülern?

Madlen Klarhorst: Wir als Kollegium haben momentan nur die Möglichkeit per E-Mail oder SMS zu kommunizieren. Für einen längeren Austausch wird aber auch häufig noch zum Hörer gegriffen oder das persönliche Gespräch im Rahmen der Betreuungssituation gesucht. Dies genieße ich besonders und weiß es gerade in der momentanen Zeit wertzuschätzen. Unser Ziel ist es zeitnah weitere Möglichkeiten wie Videokonferenzen oder zentrale Kommunikationsplattformen, die leicht verständlich sind, anzuwenden.

Dana Graber: Mit dem Kollegium nutzen wir zahlreiche Kommunikationswege – vom Austausch per Telefon über E-Mail, Chat oder Videokonferenz bis hin zum persönlichen Kontakt in der Schule. Mit den Schülerinnen und Schülern und Eltern kommunizieren wir hauptsächlich digital über E-Mails oder Videokonferenzen. In Einzelfällen führen wir auch Telefonate mit den Eltern durch.

Haben Sie Fragen an unsere Gäste? Was sind aktuell Ihre größten Herausforderungen? Was bewegt Sie gerade? Schicken Sie uns Ihre Fragen oder Anregungen gerne vorab zum Community Call per E-Mail an doreen.otte@forumbd.de oder via Twitter an @ForumBilDig

Bald fangen die Osterferien an und es gibt bislang keine Anzeichen, dass die Schulen danach wieder öffnen werden. Wie bereiten Sie sich als Kollegium auf die Situation nach den Ferien vor?

Madlen Klarhorst: Momentan lässt sich nur schwer abschätzen, wie die Situation sein wird. Viele Schülerinnen und Schüler bearbeiten fleißig die Aufgaben, einige mit viel Unterstützung , andere eigenständig, schnell und zügig. Diese Unterschiede sind in unserem Alltag aber normal. Was wirklich zählt ist nach dieser Zeit das Miteinander. Für die Kinder da zu sein, sie aufzufangen, ihre Gedanken und Ängste ernst zu nehmen. Jedes Kind hat die Zeit anders erlebt und nur wenn es das Erlebte gut verarbeitet, kann es sich auf die Zeit danach umso besser konzentrieren und darauf einlassen. Eine Möglichkeit wäre zum Beispiel in der ersten Zeit viel Klassenlehrerunterricht durchzuführen, der den Kindern einen „sicheren“ Rahmen bietet. Danach ist auch der Weg zum Alltag wieder wichtig, der den Kindern ebenfalls die Sicherheit in der Normalität bietet.

Christian Felgner: Da vieles noch unklar ist und wir nicht aus einem Methodenkoffer die richtige Lösung entnehmen können, warte ich ab. Sobald ich Informationen habe, werde ich reagieren und entscheiden. Alle Überlegungen und Spekulationen im Vorfeld laufen lediglich  im Unterbewusstsein ab. Bewusst mache ich keine Pläne, denn dann müsste ich vermutlich fünf Pläne machen, von denen mindestens vier am Ende im Papierkorb landen. Das sehe ich nicht als zielführend.

Sie haben bereits vor der „Coronakrise“ das Thema Digitalisierung auf die schulinterne Agenda gesetzt und sich durch Kooperationen Unterstützung von außen geholt. Was bedeutet das für Ihre Arbeit als Schulleitung?

Madlen Klarhorst: Für meine Arbeit als Schulleiterin ist die Kooperation und Unterstützung sehr gewinnbringend. Ich sehe die Notwendigkeit, bin motiviert und habe Spaß daran, diesen Prozess zu initiieren. Mir fehlt aber teilweise die Erfahrung, das Wissen und auch die Hilfe bei der praktischen Umsetzung, sodass ich durch die Kooperation genau in diesen Bereichen Unterstützung erfahre. Meine Arbeit als Schulleiterin verteilt sich auf verschiedene Bereiche. Im Rahmen der Kooperation erfahre ich eine Unterstützung, die sowohl die Bedürfnisse des Kollegiums beachtet, sich mit meinen Fragen und Problemen auseinandersetzt und neue Möglichkeiten aufzeigt, sodass ich motiviert bin, weiterzumachen.

Christian Felgner: Es bedeutete im Vorfeld mehr Arbeit und mehr Mut, sich dem „Neuen“ zu öffnen. Man erwartet von dir als Schulleitung, dass du alles weißt und entsprechend entscheidest. Aber gerade bei diesem Punkt weiß ich ganz viel nicht und das war schon eine Umstellung. Ich habe es aber nie bereut, denn uns war klar, dass es irgendwann kommen wird und wir wollten vorbereitet sein. Und ich bin lieber früher vorbereitet mit kompetenter Unterstützung, als abzuwarten. Jetzt profitieren wir enorm davon. Erstens: Wir haben bereits ein kleines Netzwerk und erhalten daher Informationen und Hilfe, die wir sonst nicht hätten. Man hat auch einfach das Gefühl, nicht alleine gelassen zu werden. Da diese Situation ja viele neue Aufgaben für mich bereithält, bin ich sehr froh, dass die Aufgabe, plötzlich die Digitalisierung voranzutreiben nicht auch noch auf der Agenda steht. Zweitens: Unsere technische Ausstattung ist gut, so dass wir auch in dieser Zeit unsere schulinternen Fortbildungen oder Dienstberatungen einfach online machen. Und drittens: Wir verfügen zumindest über Grundkompetenzen bezüglich der Digitalisierung, die uns manche Abläufe schneller und kompetenter erledigen lassen. Dadurch läuft weniger schief und bringt demzufolge weniger Frust.