Veranstaltungsbericht

SpotlightBD: Kooperation von Schulträgern und Schulleitungen bei der digitalen Schulentwicklung

von Carolin Wilms
veröffentlicht am 21.09.2021

Wie kann eine tragfähige Zusammenarbeit in der Bildungsregion aussehen? Wo liegen die Herausforderungen und welche Erfahrungen wurden bereits gemacht? Über diese Fragen der regionalen Kooperation diskutierten Vertreter:innen von kommunalen Spitzenverbänden, der Bildungsforschung und Transferagenturen im Rahmen des zweiten SpotlightBD des Forum Bildung Digitalisierung.

Fortschritte durch Zusammenarbeit in der Region sind im Bildungswesen möglich: Diesen Beweis hat die Bildungsregion im Raum Gütersloh erbracht. Davon und von anderen Konzepten können weitere Regionen lernen. Das Forum Bildung Digitalisierung schafft Räume für Austausch und Vernetzung, um die Komplexität der Akteure und ihrer Zuständigkeiten transparent zu machen und die Zusammenarbeit bei der Gestaltung digitaler Schulentwicklungsprozesse zu unterstützen und zu begleiten. Neben dem Austauschformat LabBD und der Veranstaltungsreihe SpotlightBD sind bereits Expertisen wie „Schulträger in Deutschland“ und „Digitale Schule regional gestalten“ entstanden, die bei der Gestaltung des digitalen Wandels an Schulen Orientierung bieten.

Vernetzung und Austausch für den gemeinsamen digitalen Schulentwicklungsprozess

Der erste Implusvortrag der Bildungsexperten Norbert Kreutzmann, Leiter des Bildungsbüros Kreis Gütersloh und Rüdiger Bockhorst, Geschäftsführer vom Zentrum für digitale Bildung und Schule (ZdB), handelte von dem „regional existierenden Anwendungsfall“, wie die Moderatorin Katja Weber das Projekt „Schule und digitale Bildung im Kreis Gütersloh“ nannte. Das Projektziel, das im ZdB verfolgt wird, ist, allen Schulen im Kreis Gütersloh ein Unterstützungsangebot für ihren digitalen Wandel zu bieten, damit sie die Qualität des Unterrichts verbessern und die Schüler:innen auf die zukünftigen Lebens- und Arbeitswelt besser vorbereiten.

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Wenig Ressourcen aber viel (guter) Willen

So soll Medienkompetenz durch das Lernen über Medien erworben werden und durch das Lernen mit Medien das pädagogische Potenzial digitaler Medien für den Unterricht und das Lernen genutzt werden. Dafür habe man die Beteiligten von allen Kommunen im Raum Gütersloh an Runde Tische geholt: 103 Schulen und 17 Schulträger erarbeiteten etwa Qualifizierungsangebote als auch Vernetzungs- und Austauschprozesse, die an den Runden Tisch gesteuert und auf kommunaler Ebene veranlasst werden. „Das Modell der Runden Tische kann jede kommunale Schullandschaft selbst initiieren“, fasste Bockhorst zusammen. „Dafür benötigt man wenig Ressourcen aber viel (guten) Willen.“

Klare Rollen, Ziele und Gelingensbedingungen

Die unterschiedlichen Sichtweisen und Kompetenzen von Schulleitung über Schulträger bis zur Schulaufsicht wurden durch klare Rollen- und Aufgabenzuweisungen an den Runden Tischen nivelliert und durch neutrale Moderator:innen ergänzt. Eindeutige Zielsetzungen für die Kommunen und die Bildungsregion haben zu einem konstruktiven Austausch geführt: Etwa Kompetenzaufbau auf allen Seiten und vergleichbare Standards an Schulen zu ermöglichen. Kreutzmann sprach von Gelingensbedingungen, als er auf die Regeln einging, die sich die Runden Tische gegeben hatten, dass sich etwa Vorteilsnahmen durch Einzelabsprachen zwischen Schule und Schulträger verbiete. „Es geht um das Wir“, so Kreutzmann.

Den Anlass, ein solches Projekt als Bildungsregion zu gestalten, begründete Kreutzmann damit, dass eine Region in ganz anderer Weise Unterstützungsleistung bieten könne als eine kleine Kommune, deren Verantwortliche:r für Bildung etwa auch mit anderen Aufgaben betraut sei. So müsse der oder die Einzelne das Rad nicht immer neu erfinden, wenn man in der Region etwa gemeinsam nach Qualitätsstandards suche. Zudem, betonte Kreutzmann, haben auch die Schulen und ihre Träger nach Unterstützung gerufen, um sich zusammen weiterzubilden und so habe sich eine Region gemeinsam auf den Weg gemacht.

Von Steuerung durch Weisung zum Führen durch Ziele – ein neues Rollenverständnis

Im zweiten Impulsvortrag schlug Esther Dominique Klein, geschäftsführende Direktorin des Instituts für Schulpädagogik an der Philipps-Universität Marburg, einen Bogen zur Entstehung des staatlichen Bildungssystems und der Handlungslogik der Bildungsverwaltung; da der Blick zurück, so Klein, einige Erkenntnisse für die heutige Situation erbringe. Die „bürokratische Steuerung“ des Schulsystems, wie wir es heute kennen, sei auch Ergebnis der Vereinheitlichung des staatlichen Schulsystems. Dabei sei seine hierarchische Struktur durch Steuerung durch Weisung gestützt und die Befugnis sowie Verantwortung nehme von oben nach unten ab. Im Kontrast dazu erläuterte Klein die „Manageriale Steuerung“ – das Führen durch Ziele.

Dabei liege der Fokus auf der Effektivität und Qualitätsentwicklung: So leiste jede Einheit ihren Beitrag, damit Qualität entstehe, erläuterte die Bildungsexpertin. Diese veränderte Logik der Steuerung führe zu Änderungen in der Konstellation von Schule und Schulverwaltung: Hierbei nehme die Leitung die Rolle des „Senior Managers“ ein, der dabei unterstütze, dass die Ressourcen bereitstehen, die die Schulen brauchen, um ihre Qualität aufrechtzuerhalten. Eine entsprechende ISO Norm aus dem Qualitätsmanagement betrachte neben dem Personal, die Kompetenz oder das Wissen der Organisation. Denke man Unterstützung so, dann sei ein entsprechendes Rollenverständnis, Professionalisierung sowie Ressourcenausstattung Voraussetzung dafür, schloss Klein.

Bildungsbüros als koordinierende Schnittstelle in der Region

Wie eine tragfähige Zusammenarbeit in der Bildungsregion noch aussehen kann, wurde in der sich anschließenden Panelrunde diskutiert. Dabei berichtete Stefanie Hildebrandt, Leiterin der Transferagentur kommunales Bildungsmanagement Brandenburg, dass es zunehmend mehr Bildungsbüros in den Kommunen gebe, die in einer steuernden Rolle Akteur:innen zusammenbringen und unterstützen. Dabei ginge es neben der technischen Ausstattung auch um Qualifizierung und um Zuständigkeitsfragen etwa bei Lernplattformen, so Hildebrandt. Die Anbindung des Bildungsbüros müsse nicht beim Schulträger sein; dies könne auch als Stabsstelle beim Oberbürgermeister oder beim Landrat organisiert werden, sagte die Expertin. Im Gegensatz zu großen Städten seien Landkreise meist nicht Träger mehrerer Schularten, verteilen sich über eine Kommune und profitieren so von einer zentralen Koordinierungseinheit in Form eines Bildungsbüros, erklärte Hildebrandt.

Klaus Hebborn, Leiter des Dezernats Bildung, Kultur, Sport und Gleichstellung des Deutschen Städtetages, sagte mit Blick auf die Kosten, die durch die Einrichtung von Bildungsbüros entstehen, dass für deren Übernahme politische Überzeugungsarbeit zu leisten sei. Denn es müssten nicht nur die entsprechenden Ressourcen zugewiesen werden, sondern es müsse klar sein, wer die Bildungsentscheidungen treffe, so Hebborn. Daher müsse die Kommunalpolitik eingebunden werden. Seine Erfahrung in Nordrhein-Westfalen habe gezeigt, dass auf Dauer angelegte Finanzierungen eine gewisse Verlässlichkeit haben und unabhängig von Personalwechseln mache.

Sprechende Bilder für ein gelungenes Miteinander

Bildungsexperte Kreutzmann berichtete von der hohen Bereitschaft der Akteure an seinem regionalen Bildungsprojekt teilzunehmen. Aus seiner Sicht sei dadurch ein hoher Nutzen für alle Beteiligten erlebbar gewesen. Viele seien im Rückblick froh gewesen, sich rechtzeitig für ihre Teilnahme an dem Projekt entschieden zu haben und sich „aufzuschlauen“. Mithin sei es ein lernendes System gewesen, das mit bestimmten Vorstellungen begonnen habe und gemeinsam entwickelt wurde. „Ich glaube, das war ein Gelingensmoment“, sagte Kreutzmann. Parallel zu der Diskussion wurde im Chat eine Software des Deutschen Dialog Instituts empfohlen, die die Zusammenarbeit zwischen Medienkonzepterstellung und -entwicklungsplanung unterstützt.

Um die Struktur der regionale Bildungsinitiative als sprechendes Bild möglichen Nachahmern weiterzuempfehlen, entwarfen die Panelteilnehmenden verschiedene Visionen, die von einem überschaubaren Netzwerk ohne Verheddern über ein Spielfeld, das man auch verlassen dürfe bis zum Uhrwerk reichte, in dem die verschiedenen Zahnräder perfekt ineinander greifen und man sehe, welchen Einfluss ein Zahnrad habe, das nicht funktioniere.