Zusammenarbeit von Schule und Zivilgesellschaft: Drei Fragen an Anne Lützelberger

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ZUSAMMENARBEIT VON SCHULE UND ZIVILGESELLSCHAFT: DREI FRAGEN AN ANNE LÜTZELBERGER

von Ulrike Poremski

veröffentlicht am 28.09.2020

Am 17. September 2020 hat das Forum Bildung Digitalisierung den neuen Praxisleitfaden „Zusammenarbeit von Schule und Zivilgesellschaft in einer digital geprägten Welt“ veröffentlicht. Zur Veröffentlichung haben wir mit Netzwerkexpertin Anne Lützelberger über das Förderprogramm „Schule in der digitalen Welt“ des Stifterverbands, Chancen und Herausforderungen bei der Zusammenarbeit mit zivilgesellschaftlichen Partnern und ihren persönlichen Rat für Schulleitungen gesprochen.

Im außerschulischen Bereich ist viel Wissen und langjährige Erfahrung bei der Begleitung von digitalen Schulentwicklungsprozessen vorhanden. Um den digitalen Wandel an der eigenen Schule anzugehen, erweist sich die Zusammenarbeit mit außerschulischen Akteuren für Schulen als sehr gewinnbringend. Mit dem Praxisleitfaden „Zusammenarbeit von Schule und Zivilgesellschaft in einer digital geprägten Welt“ erhalten Schulleitungen eine praktische Orientierungshilfe für alle Phasen der Zusammenarbeit mit zivilgesellschaftlichen Initiativen an die Hand – von der Vorbereitung bis zur Evaluation der Zusammenarbeit. Der Praxisleitfaden wurde vom Forum Bildung Digitalisierung beim Institut für Technische Bildung und Hochschuldidaktik der Technischen Universität Hamburg (TUHH) in Auftrag gegeben und von Ann-Kathrin Watolla und Ronny Röwert erarbeitet.

Wie gestaltet sich das Programm und was waren deine besonderen Erkenntnisse in der Zusammenarbeit von Schulen mit zivilgesellschaftlichen Partnern?

Im Förderprogramm „Schule in der digitalen Welt“ des Stifterverbands konnten sich Schulen gemeinsam mit einer lehrkräftebildenden Hochschule als Partner um eine Förderung und die Aufnahme in das Netzwerk „Schule in der digitalen Welt“ bewerben. Angesprochen waren explizit keine Leuchtturmschulen, sondern Schulen, die mit der digitalen Schulentwicklung erst am Anfang stehen oder erste Schritte gegangen sind. Unter den eingereichten Bewerbungen wurden dann 18 Teams durch eine Fachjury für die Teilnahme an dem Programm ausgewählt. Als Coaching, Unterstützung und Begleitung wurden ihnen vier zivilgesellschaftliche Partner zur Seite gestellt und die Schulen und Universitäten konnten sich aus einem Portfolio ein passgenaues Angebot für die eigene Schule auswählen. Dabei war es wichtig im Hinterkopf zu behalten: Jede Schule hat ein einzigartiges Profil. Alle Konzepte, Angebote und Module der zivilgesellschaftlichen Partner wurden deshalb in Kick-off-Gesprächen und -Analysen individuell auf den Status Quo der Schulen angepasst. Angebote aus der Zivilgesellschaft lassen sich auf dieser Ebene nicht wie eine Schablone auf die Schulen legen. Eine weitere Erkenntnis für alle Beteiligten: Zivilgesellschaft kann digitale Schulentwicklung! Eine langfristige Begleitung durch Coaching-Partner bringt Dynamik, Veränderung und Entwicklung. Durch die intensive Arbeit auf allen Ebenen digitaler Schulentwicklung haben sich die Schulen diesen Organisationen schnell anvertraut und geöffnet. Das ist Grundvoraussetzung für eine gelungene Zusammenarbeit zwischen Schule und Zivilgesellschaft.

Mit dem Praxisleitfaden „Schule und Zivilgesellschaft in einer digital geprägten Welt“ wollen wir Schulleitungen eine praktische Hilfe an die Hand geben, um die Gestaltung des digitalen Wandels an Schulen gemeinsam mit außerschulischen Partnern anzugehen. Mit welchen Problemen haben Schulleitungen zuweilen zu kämpfen und wie können sie bei der Bewältigung dieser Probleme unterstützt werden? Was läuft hingegen schon gut? 

Erfreulicherweise läuft schon vieles gut! Wir fragen die Mitglieder des Netzwerkes regelmäßig nach ihren Erfolgen, Hürden und ihren Zielen. Einige Schulen sind ganz gut ausgestattet, andere wiederum haben ein extrem motiviertes Kollegium und viele Schulen profitieren von der Kooperation mit den Hochschulen. Auch sind viele Medienkonzepte sehr gut durchdacht. Hier geht es nun in die Phase der Umsetzung. Die Herausforderungen, bei denen vor allem zivilgesellschaftliche Partner unterstützen können, sind vielfältig. Neben Beratungsformaten wie bspw. Schulentwicklungsgespräche, unterstützen sie sehr stark auf der Ebene der Personalentwicklung. Sie führen Fortbildungen zu den unterschiedlichsten Themen durch. Sie helfen Schulleitungen und Lehrkräften bei der Vernetzung mit weiteren Expert*innen, informieren Schulen über neue Themen, Tools und Methoden. In Phasen der Ausstattung mit neuer Hard- oder Software bieten sie Fortbildungen an. Die Schulgemeinschaften sind außerdem sehr heterogen. Darauf können die Partner mit ihren unterschiedlichen Angeboten sehr gut reagieren. Sie helfen dabei, Ängste abzubauen und stärken Prozesse. Der Unterschied zu staatlichen Fortbildungsmaßnahmen ist vor allem die Flexibilität in den Angeboten der Partner.

Vor dem Hintergrund Ihrer vielfältigen Erfahrungen: Welchen persönlichen Rat hast du für Schulleitungen, die sich für digitale Schulentwicklungsprozesse außerschulische Partner ins Boot holen wollen?

Schulleitungen und ihre Teams müssen für sich klären: Wobei benötigen wir Unterstützung? An welchem Punkt stehen wir? Eine offene Bestandsaufnahme ist hier obligatorisch. Wenn man einen passenden Partner gefunden hat, müssen frühzeitig zu Projektbeginn Rollen und Erwartungen abgesteckt werden. Mein Tipp an Schulleitungen: Seien Sie offen und transparent! Ein zivilgesellschaftlicher Partner kann nur so gut unterstützen, wie er seitens der Schule über den Status Quo, mögliche Leerstellen und auch über offene Konflikten im Prozess der digitalen Schulentwicklung informiert wird. Sie können zu zivilgesellschaftlichen Organisationen schnell ein enges, starkes Vertrauensverhältnis auf Augenhöhe aufbauen und eine außerschulische Partnerschaft kann durch Offenheit besonders gewinnbringend sein. 

Vielen Dank für das Interview!

Anne Lützelberger @ALuetzelberger beschäftigt sich mit den Themenfeldern Zivilgesellschaft, Lehrkräftebildung, Schulentwicklung im Zeichen der Digitalität, Lernen in Netzwerken und Community-Management. Sie hat als Programmmanagerin das Förderprogramm „Schule in der digitalen Welt“ im Stifterverband aufgebaut und geleitet. In einem früheren Leben war sie am Aufbau des Netzwerkes Stiftungen und Bildung im Bundesverband Deutscher Stiftungen engagiert und war Lehrbeauftragte im Arbeitsbereich Politikdidaktik/Politische Bildung am Otto-Suhr-Institut der Freien Universität Berlin und Projektleiterin in der außerschulischen politisch-historischen Bildung.