Coding und Programmieren sind selbstverständlicher Teil eines großangelegten ICT-Programms für Schulen in Israel. (Foto: StartupStockPhotos / pixabay.com)

Digitalisierung und Bildung – Strategien weltweit

Teil 17: in Israel

Israelis bezeichnen ihr Land gerne als Start-up-Nation. Tatsächlich: In keinem Land der Welt gibt es gemessen an der Einwohnerzahl so viele Firmengründungen. Mit seinen rund 8,5 Millionen Einwohnern hat sich Israel zu einem führenden Hochtechnologie-Standort gemausert. Etwa zehn Prozent der Bevölkerung arbeiten bereits in der Hightech-Industrie. Ob Cybersecurity, Künstliche Intelligenz oder Medizintechnik: Viele Technologien aus Israel haben auch weltweit die Nase vorn.

Die IT-Industrie ist damit ein wichtiger Motor für die Wirtschaft Israels. Doch die Infrastruktur des Landes hinkt der wirtschaftlichen Entwicklung hinterher. Jahrzehntelang wurde nur wenig in den Bildungsbereich investiert. Nun wird die wertvollste Ressource rar: kluge Köpfe mit IT-Kenntnissen.

ICT-Experten und Ingenieure werden in Israel rar

„Wir brauchen mehr Ingenieure“, sagt Roni Dayan, Experte für ICT-Applikationen im israelischen Bildungsministerium. Das sei ein strategisches Ziel von nationalem Rang. Um das Bildungssystem ins 21. Jahrhundert zu hieven, setzt Israel daher auf ein speziell entwickeltes ICT-Programm. In dessen Fokus steht die Vermittlung von Computational Thinking, Algorithmik und logischem Denken.

Das Programm läuft bereits an 1584 Grundschulen und 200 Junior Highschools; seit 2017 sind außerdem 121 Highschools mit an Bord. „Unser Ziel ist es, innovative Pädagogik zu fördern“, sagt Roni Dayan. „Wir wollen Lehrer dazu motivieren, digitale Tools und Umgebungen auf intelligente Weise einzusetzen und so Pädagogik- und Bildungsprozesse zu verbessern.“

Die digitale Bildung setzt in Israel früh an: Viele Grundschulkinder arbeiten bereits mit Tablet-Computern. Schon in der Grundschule stehen Informatik und Robotik auf dem Stundenplan. Durch die frühe Förderung sollen besonders begabte Schülerinnen und Schüler rasch erkannt und gefördert werden. Das Programm habe auch bereits gefruchtet, sagt Roni Dayan: Bei der PIRLS-Studie aus dem Jahr 2016 schnitten Israels Schülerinnen und Schüler beim Lesen von digitalen Texten um vier Punkte besser ab als beim Lesen von analogen Texten.

Potenzial aus Israels Peripherie

Israels wirtschaftlicher Aufstieg hat jedoch auch Schattenseiten: Die wirtschaftliche Ungleichheit in Israel zählt zu den höchsten unter den westlichen Ländern, ebenso wie die Lebenshaltungskosten. Während die gut ausgebildeten Tech-Experten in klimatisierten Glas-Türmen mit Meerblick für Google oder ein aufstrebendes IT-Startup programmieren, können sich die anderen das Leben kaum noch leisten. Und auch im Bildungssystem sind die Ungleichheiten laut einem OECD-Bericht groß.

Um diesen Graben zu verkleinern, setzen sich Organisationen wie die unabhängige, privat finanzierte Rashi-Foundation für die Bildungsförderung von sozial benachteiligten Gruppen ein, auch im Bereich der Cyber Education. „Um führend im Bereich der Cyber-Technologien zu bleiben, muss Israel seinen Pool an hervorragend ausgebildeten Experten vergrößern“, heißt es aus der Rashi-Foundation.

Um mehr Experten auszubilden, müsse auch das Potenzial von Highschool-Schülerinnen und -Schülern in der Peripherie genutzt werden. Das Cyber-Education-Center koordiniert daher nationale Cyber-Bildungs-Aktivitäten, die auch abseits der Metropolen ankommen: die CyberGirlz-Community etwa, eine Online-Community für technologieinteressierte Mädchen, oder StarTech, ein Programm, das Siebt- bis Neuntklässler im ganzen Land in die Welt der Computer und der Technologie einführt.

Auf spielerische Weise für Technik begeistern

Außerdem versucht Israel über Wettbewerbe auf spielerische Art und Weise mehr Kinder für Technologie zu begeistern. Seit 2015 finden die Cyber Championships statt, ein nationaler Wettbewerb, bei dem Kompetenzen in Naturwissenschaften, Technologie, Ingenieurswesen und Mathematik gefragt sind. Schülerinnen und Schüler aus ganz Israel können in den Kategorien Programmieren, Mathematik und Robotik antreten. „So können wir neue Talente entdecken und Kinder näher an die Hightech-Welt bringen“, sagt Roni Dayan.

Der Wettbewerb wird vom Bildungsministerium, der Dachorganisation der Hightech-Unternehmen IATI (Israel Advanced Technologie Industries) und der Rashi-Foundation organisiert. Laut dem wirtschaftsnahen Verband IATI ist es das Hauptanliegen des Wettbewerbs, die Zahl der Angestellten im Spitzentechnologie-Bereich bis 2025 zu verdoppeln. Denn: „Die Schülerinnen und Schüler von heute sind das Hightech-, Science- und Forschungspersonal von morgen.“

(Text: Anja Reiter)