Screenshot von der Aufzeichnung des Fachgesprächs im Bundestag. Im Bild ist die Expertenrunde zu sehen. (Quelle: Deutscher Bundestag)

„Es geht um Bildung in der Digitalisierung“

Die Ob-Frage, „ob” Digitalisierung für Schule und Bildung ein bedeutsames Thema sei, wurde nicht mehr gestellt. Über das „Wie” wurde in einem dreistündigen Fachgespräch zum Thema „Digitalisierung in Schule, Ausbildung und Hochschule“ im Bundestag ausgiebig diskutiert.

Der Ausschuss für Bildung, Forschung und Technikfolgenabschätzung lud zu dem Fachgespräch am 17. Oktober 2018 Experten aus Bildung und Forschung ein. Auch das Forum Bildung Digitalisierung war mit Dr. Ekkehard Winter, Geschäftsführer der Deutschen Telekom Stiftung, in der Expertenrunde vertreten und hatte die Gelegenheit zu einer Stellungnahme.

Die vielen anwesenden Expertinnen und Experten konnten die verschiedene Aspekte des Themas deutlich machen. Einig waren sie sich, dass die Digitalisierung in Schule und Hochschule rasch vorangetrieben werden müsse. Wobei Winter hier noch konkretisierte: „Es geht um Bildung in der Digitalisierung, nicht um Digitalisierung in der Bildung“. So lautete die grundlegende erste seiner acht Thesen für Bildung in der Digitalisierung, die er dem Ausschuss vorstellte. Darin betonte er neben den Chancen der Digitalisierung für den Bildungsbereich auch den nötigen Kulturwandel und den ganzheitlichen Blick auf das Bildungssystem, wenn es den digitalen Wandel zugunsten der Schulen umzusetzen gilt: Wir müssen Bildung in der digitalen Welt größer denken!

Die wichtigsten Argumente der Expertenrunde hat uns Dr. Ekkehard Winter verraten:

  • Der Weg über die Fächer, wie in der KMK-Strategie vorgeschlagen, sei richtig. Alle Fächer und Fachdidaktiken seien gefordert, ihren je eigenen Weg in der digitalen Welt zu finden. Es gehe um die erfolgreiche Vermittlung von Kompetenzen, weniger um formale Abschlüsse. Kompetenzkataloge und Bildungsstandards überwänden teilweise die föderale Zersplitterung.
  • Die Lehrerbildung müsse dringend verbessert werden. Insbesondere brauche es eine kontinuierliche professionelle Entwicklung (CPD) von Lehrkräften, berufsbiografisch über alle Phasen der Lehrerbildung hinweg, weil der Wandel nicht ende.
  • Entgegen früherer Erwartungen veränderten sich alle Berufe in der digitalen Welt. Hier seien nicht nur die Unternehmen (wo es große Unterschiede zwischen Groß- und mittelständischen Unternehmen gebe) und Berufsschulen gefordert, sondern die Grundlagen würden in der Allgemeinbildung gelegt, die Veränderungen in der Arbeitswelt schlügen also auf die allgemeinbildenden Schulen zurück.

Bei dem Fachgespräch, so hofft Winter, ist deutlich geworden, dass es um ganzheitliche Unterrichts- und Schulentwicklungsprozesse geht, um Organisations und Personalentwicklung. Erfreulich war, dass diejenigen, um die es in dem Prozess gehen sollte, auch in der zentralen Frage der Mitglieder des Ausschusses an die Experten im Vordergrund standen: Wie können Schülerinnen und Schüler von den digitalen Möglichkeiten profitieren? Das Spektrum dieser Möglichkeiten aufzuzeigen und ihre Chancen sichtbar zu machen, ist auch unsere Aufgabe.

Lesen Sie hier die ausführliche Stellungnahme des Forum Bildung Digitalisierung für das Fachgespräch zum Thema „Digitalisierung in Schule, Ausbildung und Hochschule“ im Bundestag in Gänze.

Liste der geladenen Sachverständigen

Dr. Alexander Classen (Geschäftsführer der Digitalen Hochschule NRW, FernUniversität Hagen),
Prof. Dr. rer. nat. Ira Diethelm (Universitätsprofessorin für Didaktik der Informatik, Fakultät II - Informatik, Wirtschafts- und Rechtswissenschaften Carl von Ossietzky Universität Oldenburg),
Prof. Dr. Birgit Eickelmann (Lehrstuhl für Schulpädagogik, Institut für Erziehungswissenschaft, Universität Paderborn),
Prof. Dr. Monika Gross (Vizepräsidentin für Digitale Infrastrukturen der Hochschulrektorenkonferenz (HRK), Präsidentin der Beuth Hochschule für Technik Berlin),
Prof. Dr. Bardo Herzig ( Allgemeine Didaktik und Schulpädagogik/Medienpädagogik, Institut für Erziehungswissenschaft, Universität Paderborn),
Prof. Dr. Gerald Lembke (Studiengangsleiter, Digitale Medien Medienmanagement & Kommunikation, Duale Hochschule Baden-Württemberg (DHBW), Mannheim),
Dr. Udo Lemke (Geschäftsführer bei Provadis Partner für Bildung und Beratung GmbH, Frankfurt a. M.),
Dr. Ekkehard Winter (Mitglied des Forums Bildung Digitalisierung e. V., Geschäftsführer der Deutschen Telekom-Stiftung, Bonn)

Das Fachgespräch wurde auch aufgezeichnet und kann unter bundestag.de nachgeschaut werden.