Tablets sind an der Georg-Christoph-Lichtenberg-Gesamtschule Göttingen ein selbstverständliches Arbeitsgerät. (Foto: Katja Anokhina / Forum Bildung Digitalisierung)

Georg-Christoph-Lichtenberg-Gesamtschule Göttingen

„Gleiche Lernchancen für alle“

Ob im Sportunterricht, in der Biologiestunde oder auch im Englisch-Leistungskurs – an der Georg-Christoph-Lichtenberg-Gesamtschule in Göttingen ist das Tablet für die Schülerinnen und Schüler ein selbstverständliches Arbeitsgerät. Dafür sorgt vor allem die 1:1-Ausstattung der Lernenden ab der achten Klasse.

1:1-Ausstattung – das bedeutet, dass jede Schülerin und jeder Schüler über ein eigenes Tablet verfügt, dessen Marke zwar die Schule vorgibt, das aber die Eltern anschaffen. Das hat den Vorteil, dass die Jugendlichen dann auch zu Hause mit dem Gerät arbeiten können. Auf diese Weise will die Schule „allen Lernenden dieselben Lernchancen bieten“, erklärt Wolfgang Vogelsaenger, der bis zum Ende des Schuljahres 2017/2018 Schulleiter der Gesamtschule gewesen und nun in den Ruhestand getreten ist.
Vogelsaenger schwärmt von den positiven Effekten der Tablets für den Unterricht: „Ich habe im vergangenen Schuljahr selbst in einer Klasse unterrichtet, die in der Acht angefangen hatte, mit den iPads zu arbeiten, und ich habe noch nie so gut und so effektiv unterrichten können. Das war einfach eine Freude.“ Nach der Bundestagswahl simulierte diese Klasse etwa in Dreiergruppen die Koalitionsverhandlungen von CDU, FDP und Bündnis 90/Die Grünen. Die App Quip ermöglichte ihnen dabei, auf ihren Tablets zeitgleich an derselben Tabelle zu arbeiten, um die Positionen der Parteien miteinander zu vergleichen. „Das ist kollaborativ, aber solche Apps gibt es noch viel zu wenig“, sagt Vogelsaenger. Das Beispiel zeige zudem einen weiteren Vorteil der Tablets: Sie unterstützten das Arbeitskonzept der Schule. „Wir arbeiten in Tischgruppen, sodass Lernstärkere und Lernschwächere komplexe Aufgaben gemeinsam lösen können“ – mit den handlichen Computern sei eine solche Zusammenarbeit weiterhin möglich.

Mehr Vielfalt im Unterricht

Oberstufenkoordinator Arne Brix, der wesentlich am Digitalisierungsprozess der Schule beteiligt ist, schätzt die erhöhte Methodenvielfalt. „Mit den Tablets kann ich meinen Unterricht interessanter, moderner gestalten, mein Schulalltag ist spontaner geworden“, sagt Brix. Es koste zwar zu Beginn der 8. Klasse Zeit, die Lernenden mit ihrem neuen Arbeitsgerät vertraut zu machen, doch die Investition lohne sich.

Die Gesamtschule ist vom Mehrwert der Tablets derart überzeugt, dass sie bedürftigen Eltern individuelle Finanzierungsmöglichkeiten bietet. Eine Notlösung, denn weder Kommune noch Sozialamt bieten Unterstützung. „Das ist ein Unding“, kritisiert der ehemalige Schulleiter. „Der Staat fordert digitale Bildung, finanziert die dafür notwendigen Medien aber nicht mal für Familien, die sie sich schlichtweg nicht leisten können.“

Text: Anna Hückelheim, Film: intoVR