VorWort: Im Gespräch mit Kai Wörner

Kai Wörner ist Lehrer an der Realschule am Europakanal Erlangen II. Er bietet auf der #KonfBD18 den Workshop „Digitaler Profi Lehrer – mit DiBiS, Lehrer-Kompetenzrahmen und Medien- und Methodencurricula zur digitalen Mündigkeit“ zusammen mit Eva Stolpmann an.

Forum: Ihr Workshop mit Eva Stolpmann von der Stiftung Bildungspakt Bayern auf unserer #KonfBD18 trägt den schönen Titel „Digitaler Profi Lehrer“. Wie stellen Sie sich den idealen Lehrer im digitalen Zeitalter vor?

Für mich macht den „idealen Lehrer“ im digitalen Zeitalter eine Person aus, die sich in vielerlei Hinsicht mit anderen vernetzt. Eine offene Haltung gegenüber didaktischen Neuerungen – nicht nur aus dem Bereich der Digitalen Bildung – ist sicher ebenso wichtig, denn nur dann kann man souverän entscheiden, was den eigenen Unterricht gegebenenfalls zeitgemäßer machen könnte. Absolut unverzichtbar sind aber auch Humor, ein „guter Draht“ zu den Schülern und wertschätzende Elternkommunikation.

Forum: Der „Monitor Digitale Bildung“ der Bertelsmann-Stiftung bescheinigt Lehramtsstudierenden, dass sie am wenigstens gegenüber digitalen Medien aufgeschlossen seien und beispielsweise die Tafel nach wie vor das beliebteste Lern- und Unterrichtsmittel sei. Wo und wie muss schon im Studium angesetzt werden, um die Lehrkräfte von morgen fit für die digitale Zukunft zu machen?

Ich denke, dass es nicht ohne erhöhte Praxisanteile im Studium gehen wird. Zudem kann es nicht schaden, wenn gewisse digitale Mindeststandards im Studium vorgeschrieben werden würden. Allerdings sollte man dabei immer auch das spätere Kerngeschäft Unterricht im Blick haben. Eine inhaltsleere Toolifizierung ohne konkrete Inhalte wäre demnach genauso kontraproduktiv wie eine pauschale Verteufelung der Tafel. Es kommt auf einen gesunden Medienmix an und das kann man schon im Studium mitdenken.

„Außerdem heißt Digitalisierung nicht, dass man Bewährtes „entsorgen“ muss. Oft führt ein kleiner „digitaler Dreh“ dazu, dass gute Stunden noch besser oder schülerorientierter werden.“

Kai Wörner, Lehrer an der Realschule am Europakanal Erlangen II

 

 

Forum: Das im Schuljahr 2017/18 an der Realschule am Europakanal in Erlangen als Pilotversuch gestartete Referendarsausbildungskonzept DiBiS „Digitale Bildung im Seminar“ versucht den „digital gap“ zwischen Studium und den ersten Berufsjahren zu schließen. Wie sind die Erfahrungen damit?

Die Erfahrungen mit DiBiS sind sehr positiv. Unsere Referendare bekommen vom ersten Tag ihrer Ausbildung an Hilfestellungen, um zum Beispiel in den iPad-Klassen kompetent zu unterrichten. Gerade das gemeinsame Testen von Apps, das Diskutieren über deren didaktischen Ort in konkreten Unterrichtsszenarien oder auch das Reflektieren über Studienergebnisse zu digitalen Themen kam stets gut an, was auch das Feedback des ersten Jahrgangs beweist.

Forum: Bereits während des Referendariats digitales Know-How auszubilden, ist ein guter und richtiger Ansatz. Was ist mit den Kolleginnen und Kollegen, die schon viele Jahre in der Praxis unterrichten: Welche Möglichkeiten gibt es für Sie, um den Anschluss nicht zu verlieren und auch zum „digitalen Profi Lehrer“ zu werden?

DiBiS ist auch für diese Zielgruppe sicher ein guter Anlaufpunkt, da alle relevanten Materialien als OER online verfügbar sind. Ich persönlich würde diesen KollegInnen raten, sich zum Beispiel erstmal mithilfe eines Webinar oder eines MOOC zu versuchen dem Thema zu nähern. Dann hilft es enorm, wenn man sich Gleichgesinnte sucht. Hier können die Sozialen Netzwerke helfen. Auf Twitter findet man schnell Anschluss zu Gruppen wie #BayernEdu. Etwas Eigeninitiative braucht es, dann ist vieles leichter.

Forum: Sie sind selbst Lehrer an einer Realschule in Bayern. Welchen Tipp können Sie angehenden Lehrkräften und Kolleginnen und Kollegen für ihre eigene Unterrichtsgestaltung ans Herz legen?

Im Wesentlichen bin ich mit den drei folgenden Grundsätzen immer ganz gut durch den Lehreralltag gekommen. Zunächst sollte man seinen eigenen Unterricht auch selbst interessant und gut finden. Dann ist es wichtig, dass man offen für alternative Lösungswege ist und die Schüler möglichst viel selber erarbeiten lässt. Außerdem heißt Digitalisierung nicht, dass man Bewährtes „entsorgen“ muss. Oft führt ein kleiner „digitaler Dreh“ dazu, dass gute Stunden noch besser oder schülerorientierter werden.

Forum: Der bayerische Ministerpräsident Markus Söder (CSU) hat neulich auf dem „Bavarian Digital Summit“ sein Bundesland als „Kernland der Digitalisierung“ auserkoren. Wie sehen Sie das? Was läuft in Bayern besser als in anderen Bundesländern? Wo sehen Sie noch Nachhol- oder Verbesserungspotenzial?

Bayern ist seit 2016 tatsächlich auf einem sehr guten Weg, was zum Beispiel die Digitalisierung von Schulen angeht. Besonders freut es mich, dass nicht nur Technik über die Klassenzimmer ausgeschüttet wird, sondern es auch eine Vielzahl von Initiativen für die digitale Lehrerfortbildung gibt. Bundesländerübergreifende Projekte könnten diesen positiven Trend aus meiner Sicht allerdings noch beschleunigen. Salopp formuliert: Bayern ist noch nicht Estland, aber bestimmt digitaler als manche glauben.

Forum: Was erwarten Sie sich von Ihrer Teilnahme an der Konferenz Bildung Digitalisierung?

Neben dem informellen Austausch mit spannenden Persönlichkeiten, der solche Tagungen immer besonders reizvoll macht, erhoffe ich mir, dass sich Kooperationspartner finden, die mit mir die Lehrerausbildung ein deutliches Stück digitaler werden lassen möchten. Wenn wir unsere Schüler, die 2070 in Rente gehen werden, mit den heute nötigen Kompetenzen ausstatten möchten, dann müssen diese auch beim Lehrpersonal vorhanden sein. Lassen Sie uns bei #KonfBD18 darüber ins Gespräch kommen!

„Digitaler Profi Lehrer“ – mit DiBiS, Lehrer-Kompetenzrahmen und Medien- und Methodencurricula zur digitalen Mündigkeit

Workshop mit Kai Wörner und Eva Stolpmann

15. November 2018, 14:45-15:45 Uhr auf der Konferenz Bildung Digitalisierung 2018

Mehr Infos

Lesen Sie hier das nächste VorWort mit Prof. Dr. Andreas Schleicher.


Die Fragen stellte: Philipp Schulz