Digital Leadership
Digitalisierung und die digitale Transformation in der Schule regen dazu an, Konzepte von Führung zu überdenken und agiler zu gestalten. Eine auf Digitalität ausgerichtete Schul- und Unterrichtsentwicklung kann nicht von oben verordnet und gelenkt werden. Sie ist ein Lernprozess, an dem alle Stakeholder in der Schule beteiligt sein sollten und der auch von allen getragen werden sollte. Damit das gelingt, braucht es ein besonderes Führungsverständnis, das entsprechende Strukturen in der Schule ermöglicht. Voraussetzung dafür ist die Ausbildung entsprechender Kompetenzen.
Digitalisierung und die digitale Transformation in der Schule regen dazu an, Konzepte von Führung zu überdenken und agiler zu gestalten. Eine auf Digitalität ausgerichtete Schul- und Unterrichtsentwicklung kann nicht von oben verordnet und gelenkt werden. Sie ist ein Lernprozess, an dem alle Stakeholder in der Schule beteiligt sein sollten und der auch von allen getragen werden sollte. Damit das gelingt, braucht es ein besonderes Führungsverständnis, das entsprechende Strukturen in der Schule ermöglicht. Voraussetzung dafür ist die Ausbildung entsprechender Kompetenzen.
Was ist Digital Leadership?
Digital Leadership beschreibt ein Konzept, das darauf abzielt, Institutionen erfolgreich in und durch die digitale Transformation zu führen. Den Begriff haben ab etwa Mitte der 2010er-Jahre vor allem Beratungsunternehmen geprägt. Er bezieht sich dabei nicht auf ein bestimmtes Berufsfeld, sondern adressiert alle Organisationen, die ihre Geschäftsmodelle entsprechend anpassen und damit verbunden Prozesse von Change Management durchleben. Digital Leadership bleibt also nicht bei der Nutzung digitaler Technologien stehen. Vielmehr geht es darum, Innovationen im digitalen Raum und Wandel zu unterstützen und voranzutreiben und damit verknüpft eine veränderte digitalisierungsbezogene Kultur zu entwickeln.
Damit unterscheidet sich Digital Leadership auch von E-Leadership. Letztere fokussiert vor allem um die Führung mit digitalen Medien, also lediglich die Nutzung entsprechender digitaler Kommunikationswege und Tools. Der Begriff E-Leadership ist damit viel enger als der von Digital Leadership und gilt heute als überholt.
Geprägt hat den Begriff E-Leadership vor allem der US-amerikanische Psychologe und Leadership-Experte Bruce J. Avolio. Nach seiner Definition aus dem Jahr 2000 ist E-Leadership ein „sozialer Einflussprozess”, der durch fortgeschrittene Informations- und Kommunikationstechnologien vermittelt wird. Ziel ist dabei, Einstellungen, Denken, Verhalten und Leistung von einzelnen Personen, Gruppen oder Organisationen zu verändern. Führung findet also nicht nur im analogen Raum und im direkten Kontakt statt, sondern maßgeblich auch über digitale Tools und Kommunikationswege, beispielsweise über Video-Calls, E-Mail, Messenger und weitere digitale Tools, die die Zusammenarbeit oder Kommunikation ermöglichen. Damit verbunden ist auch die Frage, inwieweit Führung Distanzen überwinden kann und wie weit sich Führung durch Technologie und digitale Tools verändert. Braucht es zum Beispiel im Kontext E-Leadership eine andere Frequenz in der Kommunikation? Bezogen auf Schule geht es um Fragen wie die Steuerung von Prozessen innerhalb eines Kollegiums, die Koordination von Teams im digitalen Raum oder auch die Organisation von Distanzlernphasen.
Auch das Schulsystem erlebt diesen Prozess digitaler Transformation, darum ist Digital Leadership auch im Schulkontext relevant. Die Kultusministerkonferenz (KMK) hat schon 2021 in ihrer Strategie „Lehren und Lernen in der digitalen Welt“ auf dieses neue Führungsverständnis hingewiesen: „Die Gestaltung und Steuerung digitalisierungsbezogener Schulentwicklungsprozesse bedürfen neben einer gemeinsamen Vision und eines abgestimmten Verständnisses zum Lehren und Lernen in der digitalen Welt einer systematischen Steuerung, auch im Sinne eines schulinternen Monitorings sowie einer Kultur der Kooperation und Kommunikation innerhalb der Schulgemeinschaft.“ Daraus leitet sich für die KMK auch ab, dass Digital Leadership ein „elementarer Kompetenzbereich in der Führungskräfte-Qualifizierung und in den Konzepten aller Länder angemessen zu verankern ist“.
Ergänzende Empfehlung zur Strategie „Bildung in der digitalen Welt“
2016 hat die Kultusministerkonferenz (KMK) mit der Strategie „Bildung in der digitalen Welt“ einen gemeinsamen Rahmen geschaffen, um die Digitalisierung im Bildungsbereich aktiv zu gestalten.
Konkret ist mit Digital Leadership also zweierlei gemeint:
- Führen in digitalen Zeiten
- Führen mit Unterstützung digitaler Möglichkeiten und Kommunikationswege
So beschreibt es Tobias Röhl, Professor für digitales Lernen und Lehren an der Pädagogischen Hochschule Zürich. Im Zentrum steht dabei die Rolle des „Digital Leader“, wobei damit nicht eine einzelne Person gemeint ist, sondern eher ein Team.
Digitalisierungsbezogene Zielbilder sind eine Voraussetzung
Eine wichtige Voraussetzung dafür ist, an Schulen gemeinsame digitalisierungsbezogene Zielbilder zu entwickeln und die Kooperation innerhalb der Schule zu fördern. Nur dann kann die digitale Transformation nachhaltig gelingen. Wenn solche gemeinsamen Zielbilder fehlen, funktioniert auch die Einbindung digitaler Technologien in den Unterricht weniger gut, konstatiert Jan Florian Sievert, wissenschaftlicher Mitarbeiter in der Arbeitsgruppe Digitale Bildung an der Universität Potsdam.
Sievert befasst sich vor allem mit dem Thema Transformational Leadership im Kontext Integration von Technologien. In seinem Gastbeitrag „Wie digital muss digitale Schulführung sein?” macht er deutlich, dass Digital Leader selbst keine Technikexpert:innen sein müssen, sie aber eine entsprechende Offenheit mitbringen und die Entwicklung von geteilten Zielbildern zur Digitalisierung zwischen Leitung und Kollegium unterstützen und voranbringen sollten.
Die fünf Handlungsfelder der digitalen Schulentwicklung
Das Konzept dient dazu, die eigene Ausgangssituation an der eigenen Schule zu verstehen und realisierbare Ziele für die Nutzung digitaler Endgeräte im Schulalltag zu definieren.
Grundprinzipien von Digital Leadership
Digital Leadership stellt einen ganzheitlichen Ansatz dar. Basis sind dabei die drei Grundprinzipien:
- eine Haltung zur Kultur der Digitalität
- digital-förderliche Rahmenbedingungen
- digital-didaktische Konzepte und Qualifizierung
Diese gilt es ständig weiterzuentwickeln und an die Bedürfnisse der Stakeholder in Schule anzupassen. Es geht also um einen fortlaufenden Prozess ohne Endpunkt. Daher ist Digital Leadership eine Daueraufgabe und braucht einen langen Atem.
Digital Leadership in der Schule
Digital Leadership liegt nicht allein in der Hand von Schulleitungen oder anderen Einzelpersonen. Es ist eher eine Gemeinschaftsaufgabe, an der alle Akteur:innen beteiligt sind, die sich mit der digitalen Transformation im schulischen Bildungsbereich befassen, heißt es in der International Computer and Information Literacy Study 2023. Dazu gehören zum Beispiel auch Lehrkräfte mit entsprechenden Funktionsstellen oder solche, die mit dem Thema aus Interesse befasst sind. Ziel ist es, gemeinsam die digitalisierungsbezogene Schul- und Unterrichtsentwicklung voranzubringen.
Schulleitungen nehmen beim Thema Digital Leadership zwar eine wichtige Rolle ein, zielführender ist es jedoch, das Führungsverständnis in der digitalen Transformation weiterzudenken und entsprechend auszugestalten. Es führt auch dazu, dass solche Prozesse in der Schulgemeinschaft eher angenommen werden.
Distributed Digital Leadership setzt auf Partizipation
Diese Form der geteilten Führungsverantwortung wird auch als Distributed Digital Leadership bezeichnet. Auch der Global Education Monitoring Report 2024/25 der UNESCO betont, dass Führung in der Schule am besten geteilt gelingt, also wenn mehr Menschen im Rahmen ihrer Möglichkeiten befähigt werden, Führungsaufgaben zu übernehmen.Dies gilt insbesondere im Kontext digitaler Transformation. Zentrale Aufgabe einer Distributed Digital Leadership sei es daher, Personen für Schule zu gewinnen bzw. Personen in Schule in den Stand zu versetzen, ihre digitalisierungsbezogene Expertise, ihr fachliches und ideelles Engagement in Leadership-Konstellationen einzubringen, schreiben die Schulentwicklungsforscher Tobias Dohmen und Matthias Martens.
Im Modell von Distributed Digital Leadership kann grundsätzlich jede Person als leitend gelten, insbesondere wenn sie dauerhaft oder auch vorübergehend Tätigkeiten in der Schule übernehmen, die mit den zentralen Funktionen der Organisation in Verbindung stehen. Wie Akteur:innen zu dieser Haltung gelangen hat beispielsweise der Projektverbund „LeadCom – Digital Leadership, Kommmunikations- und Kooperationsentwicklung” im Rahmen des Kompetenzverbund lernen:digital fokussiert und dazu auch das Arbeitspapier „Distributed Digital Leadership“ veröffentlicht. Darin ist Digital Leadership als ganzheitlicher, partizipativer Ansatz mit Ko-Kreation, Gemeinschaftlichkeit, flachen Hierarchien und geteilter Verantwortung beschrieben. Damit sich Schulleitungsteams diesem Thema nähern können, stellt LeadCom eine Toolbox mit Selbstlernkurs, Materialien, Lernkarte und Reflexionsbogen bereit.
Digital Leadership braucht Kompetenzen
Digital Leadership braucht entsprechende Kompetenzen. Schulleitungen und erweiterte Leitungsteams müssen die Fähigkeiten haben, die digitale Transformation von Schule strategisch, pädagogisch, organisatorisch und kulturell zu gestalten.
Aufgabenfelder von Digital Leadersip
- Entwicklung einer gemeinsamen Vision
- Förderung digitaler Kompetenzen im Kollegium
- Gestaltung kollaborativer Arbeitsformen
- Datengestützter Einsatz digitaler Instrumente
- Sicherung geeigneter Infrastruktur
- Verantwortlicher Umgang mit KI, Datenschutz und Evaluation
Im Zentrum steht dabei die Pädagogik bzw. die digitalisierungsbezogene Unterrichts- und Schulentwicklung. Alle Aspekte zum Einsatz von Technik, zur Personalförderung oder zu Formen der Zusammenarbeit müssen darauf einzahlen.
Eigene Darstellung auf Basis von OECD (2025): Policies for the Digital Transformation of School Education, ICILS (2023): #Deutschland. Computer- und informationsbezogene Kompetenzen und Kompetenzen im Bereich Computational Thinking von Schüler*innen im internationalen Vergleich, DigCompOrg (2016): Digitally Competent Educational Organisations.
Digital Leadership adressiert damit einen Prozess der Schul- und Unterrichtsentwicklung. Es geht um die Setzung digitalisierungsbezogener pädagogischer Ziele, die Implementierung von Strategien zur Umsetzung, eine Kultur der Zusammenarbeit und auch um Haltung und Offenheit gegenüber der Digitalisierung und ihrer Möglichkeiten. All das müssen nicht nur die Schulleitungen selbst verinnerlichen, sondern sie müssen auch Fähigkeiten aufbauen, alle Stakeholder an der Schule in diesem Prozess zu beteiligen und sie zu befähigen, selbst Führung zu übernehmen und kollaborativ miteinander zu arbeiten. Digital Leadership hat somit auch viel mit Personalentwicklung zu tun.
Strategisch-pädagogische Kompetenzen
Um all die genannten Aspekte von Digital Leadership realisieren zu können, müssen die Digital Leader entsprechende Fähigkeiten haben. Im Mittelpunkt steht die strategisch-pädagogische Kompetenz. Hier geht es um diese drei Felder:
- Vision für Lernen im digitalen Zeitalter
- Verknüpfung von Digitalisierung mit Unterrichtsqualität
- Prioritätensetzung und Steuerung von Schulentwicklung
Qualifizierungskonzepte für Schulleitungsteams – eine Frage der Haltung
Für den Kompetenzaufbau für Digital Leadership hat auch das Forum Bildung Digitalisierung ein Qualifizierungskonzept entwickelt. Die Schulleitungsqualifizierung BD bereitet Schulleitungen und ihre Teams auf ihre veränderte Führungsrolle im Sinne von Digital Leadership vor. Das Qualifizierungskonzept bietet unter anderem die professionellen Grundlagen für die Gestaltung und Steuerung von schulischen Transformationsprozessen in der Kultur der Digitalität.
Zudem befähigt eine Train-the-Trainer-Qualifizierung Multiplikator:innen dazu, die Schulleitungsqualifizierung eigenständig umzusetzen. Sie adressiert insbesondere Vertreter:innen von Landesinstituten, Kultusministerien und weiteren qualifizierenden Einrichtungen.
Im Mittelpunkt des Konzepts steht das Thema „Digital Leadership und Haltung“. Hier geht es insbesondere darum, den Unterschied zwischen Digitalisierung, Digitalität und digitalem Wandel deutlich zu machen, wie er auch in der KMK-Strategie definiert ist. Konkret werden auch das veränderte Führungsverhalten und die Steuerung von Prozessen in der digitalen Transformation thematisiert.
Die beiden Qualifizierungsangebote zu Digital Leadership sind Teil eines Prozesses für die digitale Transformation an Schulen, den das Forum 2023 zusammen mit der Dieter Schwarz Stiftung und der aim – Akademie für Innovative Bildung und Management sowie der Wübben Stiftung Bildung angestoßen hat. Bundesweit sind dabei im Verlauf mehr als 240 Schulleitungsteams eingebunden.
Train-the-Trainer-Qualifizierung
Die Train-the-Trainer-Qualifizierung befähigt Akteur:innen in Landesinstituten, Kultusministerien und weitere Multiplikator:innen dazu, die Schulleitungsqualifizierung BD eigenständig umzusetzen und in ihre jeweiligen Landesstrukturen zu übertragen. Gemeinsame Lern- und Erprobungsprozesse stärken ein geteiltes Verständnis von Digital Leadership und fördern den bundesländerübergreifenden Austausch.