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Schulleiterin Barbara Jühe: „Schule muss dem Wahnsinn an Desinformation im Internet entgegentreten“

  • Leontine Päßler
  • Barbara Jühe
3 | 29. Januar 2024

An der IGS Kelsterbach wird Medienbildung großgeschrieben. Schulleiterin Barbara Jühe ist es ein Anliegen, dass ihr Kollegium sich bei aktuellen Themen und Phänomenen auskennt. Um mehr über die Grundlagen und Funktionslogiken von Desinformation zu erfahren, hat sie gemeinsam mit ihrem Kollegium die Online-Kurse von weitklick durchlaufen und schildert im Interview mit Leontine Päßler ihre Erfahrungen.

Trägt der Papst Balenciaga? Verschenkt der reichweitenstarke YouTuber MrBeast wirklich iPhones? Was steckt hinter vermeintlichen Zusammenhängen zwischen der Corona-Pandemie und dem 5G-Netz? Falschnachrichten und Desinformationen kursieren online mittlerweile in vielfältiger Ausprägung und finden ihren Weg selbstredend auch auf die Bildschirme von Schüler:innen. Während Inhalte mit fragwürdigem Wahrheitsgehalt unter anderem in den sozialen Netzwerken florieren, werden verlässliche journalistische Angebote nur von etwa der Hälfte der Jugendlichen genutzt, wie die Studie #UseTheNews des Leibniz-Instituts für Medienforschung zeigt. Angesichts dieser entstehenden Informationskluft haben sich Projekte wie Lie Detectors, Journalismus macht Schule und weitklick einem wichtigen Aspekt der zeitgenössischen Medienbildung verschrieben: dem Umgang mit Desinformation.

So zentral wie digitale Medien im Alltag von Schüler:innen verankert sind, sollte es auch die Medienbildung im Schulalltag sein. Aber wie können Schulleitungen das ganze Kollegium zu aktuellen Themen der Medienbildung, wie dem Umgang mit Desinformation, auf den gleichen Stand bringen? Schulleiterin Barbara Jühe hat in ihrem Kollegium angeregt, die Online-Kurse von weitklick zu durchlaufen.

Barbara Jühe

Barbara Jühe ist Schulleiterin der Integrierten Gesamtschule der Stadt Kelsterbach in Hessen (IGS Kelsterbach). Aus Liebe zu den Sprachen Englisch und Französisch ist sie Lehrerin geworden. Als Schulleiterin legt sie großen Wert auf eine gute Medienbildung für ihre Schüler:innen.

Welchen Stellenwert hat digitale Medienbildung in Ihrem Unterricht?

Wir Lehrkräfte haben den Auftrag, zeitgenössisch zu lehren, unsere Inhalte und Methoden also immer wieder den gesellschaftlichen Entwicklungen anzupassen. Dazu gehört auch, die Digitalität mit all ihren Medien im Blick zu haben. Kinder und Jugendliche können diese nur sinnvoll nutzen, wenn sie den Umgang damit lernen und alle Möglichkeiten, aber eben auch die Gefahren kennen. Zugleich ist natürlich zu beachten, dass digitale Medien sinnvoll eingesetzt werden müssen, also immer nur dann, wenn sie einen Mehrwert bieten. Es macht zum Beispiel keinen Sinn, wenn Schüler:innen auf einem Tablet schreiben, anstatt auf einem Papier, wenn sie noch nicht auf Papier leserlich schreiben können.

Warum halten Sie die digitale Medienbildung bei Kindern und Jugendlichen für wichtig und was kann sie leisten?

Kinder und Jugendliche nutzen täglich digitale Medien, leider sind die Inhalte oft sinnlos bis schädlich. Eine gute Medienbildung führt dazu, dass Kinder und Jugendliche die Möglichkeiten und Vorteile von digitalen Medien kennen und nutzen lernen – ohne dabei unter Umständen zum Beispiel auf Falschinformationen hereinzufallen.

Eine kompetente Mediennutzung führt zu höherer Mündigkeit im Umgang mit dem breiten Angebot. Es darf nicht sein, dass die intellektuelle Schere zwischen Schüler:innen aus bildungsferneren und bildungsaffinen Elternhäusern weiter aufgeht. Deshalb muss Schule die von der Gesellschaft geforderten Kompetenzen vermitteln.

Welche Herausforderungen ergeben sich Ihrer Meinung nach durch online kursierende Desinformation für den Schulalltag?

Die Schulgemeinschaft muss verlässliche Wissensquellen kennen, nutzen und vermitteln. Durch unsere Stadt- und Schulbibliothek haben alle Schüler:innen und Lehrkräfte beispielsweise einen kostenlosen (Online)-Zugriff auf den Brockhaus. Für Hausaufgaben und Referate findet die Schülerschaft dort zitierfähige Beiträge der Enzyklopädie sowie des Jugend- und Kinderlexikons. Das halte ich für äußerst wertvoll, denn damit haben wir gesichertes und redigiertes Wissen zur Verfügung. Auch in Vorinternetzeiten gab es Desinformation, aber die Schnelligkeit ihrer Verbreitung ist heutzutage ein großes Problem für alle, die für wissenschaftlich gesichertes Wissen und somit für Aufklärung und fundierte Bildung kämpfen.

Als Schulleiterin haben Sie gemeinsam mit Ihrem ganzen Kollegium die Online-Kurse von weitklick genutzt. Warum haben Sie sich für die gemeinsame Fortbildung gerade für dieses Angebot entschieden?

Die Entscheidung beruht auf einer Empfehlung einer Kollegin, die uns bei der Erstellung des pädagogischen Medienkonzepts beraten hat. Die Inhalte der Online-Kurse von weitklick haben mich überzeugt. Außerdem sind die Kurse sehr gut gemacht, leicht in der Handhabung.

Wie schlägt sich die Weiterbildung in Ihrem beruflichen Alltag nieder?

Wir haben bei uns an der Schule mit weitklick nun eine solide Anlaufstelle mit diversen Möglichkeiten der Weiterbildung und der Materialsammlung. Inwieweit die Kolleg:innen diese Inhalte in ihren Unterricht integrieren, liegt in ihrer pädagogischen Gestaltungsfreiheit.

Was würden Sie anderen Schulleitungen empfehlen, die Medienbildung und Aufklärung zum Thema Desinformation stärker in den Schulalltag integrieren möchten?

Alle Lehrkräfte sollten entsprechende Fortbildungsprogramme durchlaufen, um auf der Höhe der Zeit zu sein. Wir müssen wissen, was unsere Schüler:innen – die heutigen Jugendlichen – konsumieren und was sich dadurch an unserem Bildungsauftrag ändert. Schule muss dem Wahnsinn an Desinformation und Verschwörungstheorien im Internet und in den „sozialen“ Medien entgegentreten. Das geht nur mit fundiertem Wissen, mit wissenschaftlichen Fakten und mit der Aufklärung darüber, wie Meinung zustande kommt. Lehrkräfte müssen vermitteln: Was ist Meinung und was sind Fakten bzw. Tatsachen?

Über die Autor:innen

Leontine Päßler

Leontine Päßler studierte Politikwissenschaft und arbeitete anschließend zu Digitaler Bildung in Europa. Seit 2022 ist sie Referentin für Presse- und Öffentlichkeitsarbeit bei der Freiwilligen Selbstkontrolle Multimedia-Diensteanbieter (FSM e. V.).

http://www.fsm.de

Lizenzhinweis

Dieser Text ist unter der Creative Commons Lizenz „CC BY 4.0 – Namensnennung 4.0 International“ veröffentlicht. Autor:in: Leontine Päßler

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