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Joachim Dieterich: „Für uns ist entscheidend herauszufinden, wo wir einen Mehrwert für alle Bundesländer schaffen können.”

  • Sofie Czilwik
  • Joachim Dieterich
6 | 5. Dezember 2025

ComPleTT ist mittlerweile die zentrale Plattform zur länderübergreifenden Zusammenarbeit in der Lehrkräfteweiterbildung und in allen 16 Bundesländern verfügbar. Auch das Forum Bildung Digitalisierung stellt den Kurs „Standortbestimmung und Visionsentwicklung” auf ComPleTT zur Verfügung. Mit-Initiator der Plattform Joachim Dieterich erklärt, was die Plattform alles kann und für wen sie konzipiert wurde.

Der Kurs „Standortbestimmung und Visionsentwicklung” des Forum Bildung Digitalisierung ist seit diesem Jahr nicht nur auf NELE – Campus Neue Lernkultur, sondern auch über die länderübergreifende Plattform ComPleTT verfügbar. Die Inhalte des Kurses sind Bestandteil der Schulleitungsqualifizierung BD und helfen Schulleitungen und ihren Teams dabei, eine gemeinsame Vision für ihre Schule in einer digitalen Welt zu entwickeln – eine wichtige Voraussetzung, um nachhaltige Schulentwicklungsprozesse voranzutreiben. Schon bei der Adaption für NELE wurde mitgedacht, wie der Kurs auch länderübergreifend zur Verfügung gestellt werden kann. So konnte der Kurs in ComPleTT integriert werden und steht nun allen Bundesländern zur Verfügung. Die Inhalte können darüber hinaus von den Landesinstituten individuell angepasst, weiterentwickelt und in ihre eigenen Strukturen integriert werden.

Joachim Dieterich vom Pädagogischen Landesinstitut Rheinland-Pfalz ist gelernter Realschullehrer und hat ComPleTT 2020 zusammen mit Kolleg:innen aus anderen Bundesländern entwickelt. Im Interview erklärt er, wie die Besonderheit der Plattform und wie die Zusammenarbeit – auch mit zivilgesellschaftlichen Akteur:innen – funktioniert.

Joachim Dieterich

Joachim Dieterich ist gelernter Realschullehrer und beschäftigt sich seit 20 Jahren mit der Digitalisierung der Schulen. 2011 baute er die ersten Laptopklassen an der Dualen Oberschule (später Realschule plus) in Landau in der Pfalz auf. Später leitete er das Medienzentrum Südliche Weinstraße – Landau in der Pfalz. 2019 wechselte er als Referent für Bildung in der digitalen Welt an das Pädagogische Landesinstitut. 2020 entwickelte er ComPleTT mit und ist nun Länderadministrator für Rheinland-Pfalz. Seit 2022 leitet Joachim Dieterich die Stabsstelle Digitales Kompetenzzentrum des Pädagogischen Landesinstituts Rheinland-Pfalz.

Herr Dieterich, Sie waren von Anfang an in die Konzeption und Bereitstellung von ComPleTT involviert. Wofür steht das Akronym und warum brauchte es diese Plattform?

ComPleTT steht für „Common Plattform for electronic Teacher Training“. Allerdings trifft dieser Titel den Kern der Plattform nur noch bedingt. Deshalb ist mir die Assoziation zu dem Adjektiv „komplett“ lieber. Hervorgegangen ist ComPleTT ursprünglich aus der „AG Digitale Formate”, die wiederum 2018 durch die Kultusministerkonferenz, kurz KMK, eingesetzt wurde und von den Ländern Bayern, Hessen und Rheinland-Pfalz koordiniert wird. Die AG sollte unter anderem digitale Fortbildungsangebote, wie Selbstlernangebote oder Masterclasses, für Lehrkräfte bündeln und zur Verfügung stellen. 

Daher überlegten wir, wie wir den Austausch mit den anderen Bundesländern fördern können. So entstand die Idee, eine Kooperationsplattform zu launchen, auf der die Fortbildner:innen aus allen Bundesländern Zugriff auf unterschiedliche Lernprodukte erhalten und diese darüber hinaus auch gemeinsam weiterentwickeln können. ComPleTT bietet daher nicht nur die Möglichkeit, sich in onlinegestützten Veranstaltungen auszutauschen, sondern stellt auch eine kollaborative Arbeitsplattform dar. Technisch funktioniert das über eine Cloud. Als Learning-Management-Systeme steht Moodle auf ComPleTT zur Verfügung. Das Besondere ist, dass Nutzende auf ComPleTT über einen einzigen Login-Zugang auf umfassende Angebote zugreifen können und diese zentral und ko-konstruktiv entwickeln können.

Durch die KMK wird ComPleTT tatsächlich von allen 16 Bundesländern getragen, das allein macht die Plattform schon zu etwas Besonderem.

Joachim Dieterich

Ein schneller und einfacher Zugang – was macht ComPleTT noch besonders?

Durch die KMK wird ComPleTT tatsächlich von allen 16 Bundesländern getragen, das allein macht die Plattform schon zu etwas Besonderem. Außerdem gibt es mit den sogenannten Länderadministrator:innen in jedem Land Personen, die die Accounts pflegen und betreuen. Das heißt, wir haben alle Bundesländer inzwischen aktiv eingebunden und befähigt, die Plattform eigenständig zu nutzen.

Wie genau funktioniert die Zusammenarbeit über ComPleTT?

Die auf der Plattform aktiven Akteur:innen können sich über eine Office-Anwendung vernetzen. So kann sich beispielsweise eine Gruppe, die sich mit Prüfungskultur beschäftigen möchte, austauschen und Dateien gegenseitig freigeben und bearbeiten. Es gibt keine Hürden, beispielsweise herauszufinden, ob eine Person aus einem bestimmten Bundesland zugangsberechtigt ist. Das erste Dokument, das wir über die Plattform bearbeitet haben, war übrigens das Ergänzungspapier „Lehren und Lernen in der digitalen Welt“ der KMK. Bei der Bearbeitung konnten alle Akteur:innen unkompliziert mitwirken, ohne sich einzelne Dateiversionen mühsam hin- und herschicken zu müssen. Das ist eine echte Bereicherung, denn es vereinfacht die Workflows enorm. In Dokumenten ist so nachvollziehbar, wer was wann geändert hat oder welche Vorschläge für Verbesserungen eingereicht wurden. Dadurch ist zeitversetztes Arbeiten aus den unterschiedlichsten Ecken der Republik problemlos möglich.

Dadurch ist zeitversetztes Arbeiten aus den unterschiedlichsten Ecken der Republik problemlos möglich.

Joachim Dieterich

ComPleTT vereint mehrere Projekte. Von den Fortbildungsangeboten der AG Digitale Formate über die Masterclasses bis zu den Inhalten des Kompetenzverbund lernen:digital. Wie finden sich Nutzer:innen da zurecht?

Dafür haben wir in diesem Jahr „FUNDUS” ins Leben gerufen, eine länderübergreifende Mediathek für die Lehrkräftebildung der Landesinstitute. Hier werden die vielen Angebote nicht nur übersichtlich dargestellt, sondern sind auch über Metadaten durchsuchbar. Gleichzeitig können die Landesinstitute ihre Produkte in FUNDUS einspeisen und sich auch aus den Angeboten anderer Landesinstitute bedienen. Und natürlich haben wir auch FUNDUS über den zentralen Login in ComPleTT integriert. Damit haben wir statt einer Parallelstruktur eine Ergänzung zu ComPleTT, die die Nutzung der Inhalte noch einmal deutlich zugänglicher macht.

Einerseits bestücken die Landesinstitute und die Wissenschafts-Community wie der Kompetenzverbund lernen:digital ComPleTT, andererseits bieten aber auch zivilgesellschaftliche Akteur:innen ihre Lernangebote an. Neben der Plattform NELE ist der Kurs „Standortbestimmung und Visionsentwicklung” für Schulleitungsteams des Forum Bildung Digitalisierung nun auch über ComPleTT zugänglich. Wie kam es dazu?

Das Gute an ComPleTT ist, dass wir einen klar definierten Prozess haben, wie Inhalte auf die Plattform gelangen. Es gibt Ansprechpartner:innen, die kontaktiert werden können. Beim Forum habe ich im Rahmen einer Austauschrunde zur Train-the-Trainer-Qualifizierung der Schulleitungsqualifizierung die Möglichkeiten von ComPleTT und die technischen Voraussetzungen vorgestellt. Erfreulicherweise stieß das schnell auf Interesse, sodass der Selbstlernkurs dann auch bald eingebunden werden konnte. Die eigentliche Übertragung auf ComPleTT ist am Ende einfach ein Upload.

Tatsächlich adressieren NELE und ComPleTT unterschiedliche Zielgruppen: NELE richtet sich bewusst an die Endnutzer:innen während ComPleTT die Qualifizierenden in den Ländern fokussiert. Der Vorteil ist, dass die Qualifizierungsmaßnahme des Forums nun auf verschiedenen Ebenen und unkompliziert im ganzen Land verfügbar ist.

Der Vorteil ist, dass die Qualifizierungsmaßnahme des Forums nun auf verschiedenen Ebenen und unkompliziert im ganzen Land verfügbar ist.

Joachim Dieterich

Der Selbstlernkurs des Forums adressiert Schulleitungen und ihre Teams, inwiefern ergibt da ein Angebot über ComPleTT Sinn?

Zur Zielgruppe von ComPlett zählen in erster Linie die Mitarbeitenden der Landesinstitute sowie die Projektpartner:innen. Sie können den Gesamtpool der Angebote auf ComPleTT durchsehen, um zu entscheiden, welche Inhalte und Kurse für die Lehrkräfte in den jeweiligen Ländern von Interesse sein könnten. Beispielsweise haben Fortbildner:innen im Bereich der Schulleitungsqualifizierung jetzt die Möglichkeit, den Selbstlernkurs in ihr Angebot zu integrieren – und gegebenenfalls zu adaptieren. Uns ist wichtig, dass die Fachexperten:innen in den jeweiligen Landesinstituten prüfen, inwiefern die Inhalte für die Lehrkräfte und die Lehrpläne geeignet sind.

Ist es aus Ihrer Sicht wünschenswert, dass zivilgesellschaftliche Akteur:innen ihre Angebote auf ComPleTT zur Verfügung stellen?

Natürlich! Wichtig ist nur, dass die Inhalte nutzbar und die Lizenzen geklärt sind. Die Lizenzverwaltung können wir nämlich nicht übernehmen. Mit dem Kompetenzverbund lernen:digital haben wir ebenfalls vereinbart, dass die bestehenden Produkte durch eine offene Lizenz abgedeckt sind. Andernfalls wäre es kaum möglich, die eingestellten Angebote zu nutzen.

Wie wird sich ComPleTT weiterentwickeln in nächster Zeit?

ComPleTT kann bereits sehr viel und ist inzwischen bundesweit relevant. Dennoch muss sich die Plattform weiterentwickeln. Derzeit ist das Thema Künstliche Intelligenz in aller Munde. Ich glaube, welche Möglichkeiten sich daraus ergeben, ist noch nicht absehbar – auch für ComPleTT. Für uns ist entscheidend, die Bedarfe zu ermitteln und herauszufinden, wo wir als zentrale Stelle einen gemeinsamen Mehrwert für alle Bundesländer schaffen können. Damit nicht jedes Bundesland ein neues Produkt komplett von vorn entwickeln muss, sondern idealerweise auf bestehenden Erfolgen aufbauen kann.

Über die Autor:innen

Sofie Czilwik

Sofie Czilwik arbeitet als freie Journalistin in Berlin für verschiedene Medien (rbb, SWR, Zeit Online u. a.). Ihre Themen: Bildung, Arbeit, Psychologie, Gesellschaft und Politik. Zudem arbeitet sie als Redakteurin und Reporterin für radio3 vom rbb.

Lizenzhinweis

Dieser Text ist unter der Creative Commons Lizenz „CC BY 4.0 – Namensnennung 4.0 International“ veröffentlicht. Autor:in: Sofie Czilwik

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