Den Kreativprozess von Design Thinking mit Methoden aus dem Coaching von Teams zu kombinieren: Das war einer der Leitgedanken der Veranstaltungen im LabBD 2022. Angeleitet wurden Übungen von den Schauspielcoaches Jan Peters und Andi Schulze. Beide waren begeistert von den Ergebnissen.
„Lasst uns endlich ins Handeln kommen, statt weiter zu grübeln und mögliche Probleme hin und her zu wälzen!“ Es gibt inzwischen kaum mehr eine Veranstaltung oder einen Workshop rund um die digitale Transformation im Bildungsbereich, in der am Ende nicht dieser Satz fällt. Was dann folgt, ist zunächst zustimmendes Kopfnicken, der feste Vorsatz, jetzt „einfach mal zu machen“, also endlich zu starten mit der grundlegenden Transformation – natürlich nicht ohne eine entsprechende Fehlerkultur. Und die Resignation beim nächsten Treffen, wenn klar wird, dass aber doch immer noch viel zu wenig passiert ist. Warum ist das so? Warum fällt uns Veränderung so schwer? Und was kann man dagegen tun? Im Rahmen des LabBD wagte das Forum Bildung Digitalisierung ein Experiment. Mithilfe einer Methode (Design Thinking) aus dem Coaching sollte ein Rahmen geschaffen werden, in dem genau das möglich ist, was sonst so schwer fällt: ins Handeln kommen. Der Kerngedanke des auch als „Psychodrama“ bekannten Ansatzes ist es, individuelle Probleme, Spannungen auf der Gruppenebene – etwa in einem Team oder Kollegium – oder auch gesellschaftliche Themen erlebnisorientiert zu behandeln, sich gegenseitig zu bestärken und Lösungen selbstständig zu entwickeln. Unter professioneller Leitung erarbeiten die Teilnehmenden unter anderem szenische Settings, sogenannter Bilder, die ihnen helfen, zu verstehen: Wohin möchte ich mich eigentlich entwickeln? Und welche Schritte muss ich dahin gehen?
Jan, Andi, als Schauspielcoaches habt ihr im Rahmen des LabBD mit den Teilnehmenden Szenen eines gelungenen Unterrichts geprobt. Muss man die Utopie erst spüren, um sie Realität werden zu lassen?
Andi Schulze: Ich denke, das trifft schon den Punkt, ja. Sich ein Ziel zu setzen und zu überlegen, wie wir dahin kommen, fällt uns in der Regel relativ schwer. Gut, wir können dann lange darüber reden, aber ins Handeln zu kommen ist dann doch etwas ganz anderes. Mit der Methode des Psychodramas denken wir den Prozess einfach umgekehrt. Wir begaben uns mental und idealerweise auch körperlich in eine Situation, von der wir sagen: Da wollen wir hin, so fühlt sich das gut an. Und dann überlegen wir uns, wie genau wir das erreichen können.
Jan Peters: Das hilft auch ungemein dabei, den Fokus weg von all den Problemen zu lenken, die uns normalerweise sofort einfallen und uns oft massiv hemmen, aktiv zu werden. Denn im Spiel haben wir den erwünschten Zustand ja schon erreicht. Das improvisierte Szenenspiel bietet die Möglichkeit, den Kopf ein wenig abzuschalten und intuitiv und assoziativ zu arbeiten. Das Erleben auf symbolischer Ebene erleichtert die Umsetzung im „echten Leben“.
Wie habt ihr die Teilnehmenden wahrgenommen? Konnten sie sich gut auf das für manche ja wahrscheinlich ungewohnte Setting einlassen?
Andi Schulze: Es stimmt, das mag im ersten Eindruck vielleicht etwas merkwürdig wirken. Design Thinking als Methode dürfte inzwischen ja vielen bekannt sein. Aber das mit Elementen aus dem Improvisationstheater zu kombinieren, ist wirklich neu und innovativ. Psychodrama selbst funktioniert aber mit jeder Zielgruppe. Es geht ja an keiner Stelle um die Qualität des Spiels, sondern um das Einfühlen in den Moment. Und da diese Momente ja gewissermaßen zum beruflichen Alltag der Teilnehmenden gehören, ist das Einfühlen in den meisten Fällen kein Problem. Im Gegenteil: Ich bin immer wieder überrascht, wie gut das funktioniert.
Jan Peters: Das kann ich bestätigen. Mein Eindruck war, dass die Teilnehmenden schon sehr motiviert ins LabBD gekommen sind. Das wurde besonders in den von ihnen selbst entwickelten und gespielten Szenen sichtbar. Da wurde je nach Szene vieles aus ihrem Berufsleben sichtbar und die Eine oder der Andere sind sicherlich auch über ihren Schatten gesprungen. Das war schön zu beobachten.
Welche Momente sind euch als besonders spannend in Erinnerung geblieben? Gab es Szenen aus den drei mit den Teilnehmenden erarbeiteten „Bildern“, die euch besonders beeindruckt haben?
Jan Peters: Mich hat es besonders berührt, eine Teilnehmende bei ihrer Interpretation eines Schulkindes zu beobachten. Es war toll, sie mit ihrem inneren Kind so verbunden zu sehen. Darum ging es ja allen Anwesenden letztendlich: die bestmögliche Schule für die Kinder und Jugendlichen zu gestalten. Ich glaube, in solchen Momenten des Spiels verbinden wir uns mit unserer eigenen Freude und Energie, die es dann zu nutzen gilt, wenn wir uns in Entwicklungsprozessen mit unserem eigenen Bezug zu unserer Arbeit auseinandersetzen. Was motiviert uns und was wünschen wir uns?
Andi Schulze: Ich muss da vor allem an eine vorbereitende Übung denken. Es ging darum, sich etwas vorzustellen, das man schon immer einmal machen wollte, bisher aber noch nicht gemacht hat. Bei einem Teilnehmenden war es zum Beispiel das Gefühl, beim Surfen in der Welle zu stehen. Also haben wir uns überlegt: Wie fühlt sich das an? In der Welle stehen? Es ist dann wirklich beeindruckend zu sehen, wie sehr die Teilnehmenden aus sich herausgehen und wie viel Potenzial in ihnen steckt.
Jan, du warst ja schon bei der ersten Präsenzveranstaltung Anfang April dabei. Welche Entwicklung hast du bei den Teilnehmenden wahrgenommen?
Jan Peters: Die Teilnehmenden wirkten auf mich wesentlich tatenfreudiger. Man merkte, dass sie sich besser kannten und vernetzt hatten. Wahrscheinlich ist dieser Austausch untereinander auch einfach bestärkend und inspirierend. Zu sehen, was die Anderen für spannende Projekte machen und gleichzeitig mit der Design-Thinking-Methode und erlebnisorientiert eigene Initiativen zu entwickeln, motiviert einfach. Ich denke, die meisten konnten sich jetzt wirklich darauf einlassen, kreativ zu arbeiten, um Neues umzusetzen.
Wie nachhaltig können Methoden wie Psychodrama Strukturen auch im Alltag der Teilnehmenden verändern?
Jan Peters: Die Methoden aus der Psychodrama-Arbeit ermöglichen es, in symbolischer Form schon einmal Veränderung zu erleben. In der Realität fällt es dann später nicht mehr so schwer, ein Momentum zu nutzen und zu handeln. Das habe ich selbst immer wieder erlebt. Aber es braucht natürlich trotzdem eine innere Überzeugung und auch die Resonanz unseres Umfeldes, damit wir es schaffen, unsere Projekte zu realisieren.
Andi Schulze: Ja, und genau das ist ja immer die Herausforderung, wenn die Teilnehmenden wieder in ihren Alltag zurückkehren. Dann bin ich im Idealfall um eine bedeutende Erfahrung reicher, aber alle, mit denen ich es im Job zu tun habe, können damit erst einmal wenig anfangen. Denn sie waren ja schließlich nicht dabei. Um hier wirklich eine nachhaltige Veränderung anzustoßen, bräuchte es meiner Meinung nach mindestens zwei oder drei pro Kollegium, die dann vielleicht an der eigenen Schule einen Arbeitskreis bilden und multiplikatorisch wirken können.
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