Pressemitteilung

Datenschutz und digitale Schule: Schulen brauchen Entlastung

Forum Bildung Digitalisierung veröffentlicht Impulspapier „Datenschutz und digitale Schule. Impulse zur Entlastung und Unter-stützung von Schulen“

  • Die Corona-Pandemie rückt die datenschutzrechtlichen Herausforderungen von Schulen, die zusätzlich zu den bestehenden umfangreichen pädagogischen und organisatorischen Aufgaben bewältigt und gelöst werden müssen, in den Vordergrund.
  • Lehrkräfte befinden sich in einem Dilemma: Sie verfügen häufig nicht über Dienstgeräte und erhalten nur unzureichende Unterstützung, um ihre privaten Geräte datenschutzkonform einzusetzen.
  • Die größte Herausforderung für Lehrkräfte und Schulleitungen stellt die Unsicherheit bezüglich der Datenschutzkonformität von Software und Lernapps dar. Solange es keine explizit datenschutzorientierten Angebote für alle wesentlichen Bereiche gibt, müssen Schulleitungen und Lehrkräfte allein entscheiden, ob und wie einzelne digitale Medien eingesetzt werden können und stehen dafür rechtlich in der Verantwortung. Die Einrichtung einer zentralen Prüf- und Empfehlungsstelle für Datenschutz und Schulsoftware kann Schulen entlasten.

Berlin, 25.05.2021. Am heutigen 25. Mai 2021 jährt sich das Inkrafttreten der Europäischen Datenschutz-Grundverordnung (DSGVO) zum fünften Mal und seit drei Jahren gilt sie verbindlich auch in Deutschland. Der seit Beginn der Corona-Pandemie eingesetzte Digitalisierungsschub hat das Thema Datenschutz in Schulen in den Mittelpunkt der öffentlichen Aufmerksamkeit gerückt. Ob Lernplattformen, Videokonferenzsoftware, E-Mail-Kommunikation oder Messenger-Dienste – im Distanzunterricht kommen digitale Anwendungen verstärkt zum Einsatz und datenschutzrechtliche Fragen, welche Software wie genutzt werden darf, stehen auf der neuen Tagesordnung des pädagogischen Personals. Lehrkräfte und Schulleitungen fühlen sich nicht selten angesichts der zahlreichen Herausforderungen und Unsicherheiten sowie mangels Qualifikation und Ressourcen mit dem Thema Datenschutz überfordert. Die Gesamtverantwortung für das Thema liegt dabei häufig auf den Schultern der Schulleitung. Die Rufe seitens der Schulleitungen und Lehrkräfte nach Entlastung sowie nach Unterstützungsangeboten im Umgang mit Datenschutz in der digitalen Welt werden lauter. Um einen Überblick zu den datenschutzrechtlichen Herausforderungen zu erhalten und mögliche Lösungsansätze und Unterstützungsangebote für Schulen zu entwickeln, hat das Forum Bildung Digitalisierung das Impulspapier „Datenschutz und digitale Schule. Impulse zur Entlastung und Unterstützung von Schulen“ beim Think Tank iRights.Lab in Auftrag gegeben.

Datenschutz stellt Schulen vor zahlreiche Herausforderungen

In einem zunehmend digitalisierten Schulalltag zeigen sich datenschutzrechtliche Herausforderungen, die bei hoher Auslastung aufseiten des pädagogischen Personals zusätzlich gestemmt werden müssen, deutlich.

  • Unklarheiten bei Hinweisen und Empfehlungen zur Verwendung von Lernplattformen und digitaler Tools: Die datenschutzkonforme Nutzung von Software und Anwendungen zur digitalen Kommunikation zwischen Schüler:innen und Lehrkräften bereitet häufig Schwierigkeiten.
  • Es fehlt häufig ein Gesamtkonzept, das die IT-Infrastruktur, Anwendungen und Datenschutz zusammendenkt. Lehrkräfte befinden sich oftmals in einer Zwickmühle: Sie verfügen weder über dienstliche Endgeräte noch haben sie das entsprechende Know-how, um private Geräte datenschutzkonform einzusetzen. In der Praxis verwenden sie dennoch ihre privaten Endgeräte, um digitalen Unterricht durchzuführen. Datenschutzaspekte sollten beim Aufbau schulischer IT-Infrastruktur sowie bei der Einrichtung und Nutzung von Endgeräten stärker in den Fokus rücken.
  • Die Organisation des Datenschutzmanagements ist eine große Hürde: Es bedarf umfangreicher Ressourcen, um Anwendungen und die angemessene, datenschutzkonforme Ausstattung und Einrichtung von IT-Infrastruktur und Endgeräten zu organisieren. Den schulischen Datenschutzbeauftragten – in der Regel Lehrkräfte – mangelt es an Ressourcen wie Zeit und Qualifikation.
  • Datenschutz hat einen negativen Beigeschmack: Viele Schulen empfinden den Datenschutz ausschließlich als Last, die gezwungenermaßen geschultert werden muss. Jedoch gelingt die digitale Bildung an Schulen nur mit einer ausreichenden Sensibilität und einem Verständnis von Datenschutz als Grundrecht.

Um datenschutzrechtliche Herausforderungen von Schulen zu lösen, bedarf es konkreter Unterstützungsmaßnahmen

„Die Einhaltung von Datenschutzbestimmungen ist eine notwendige Voraussetzung für den Einsatz digitaler Tools im Unterricht. Bund und Länder sollten die Schulen mit verbindlichen Lösungen unterstützen und entlasten. Nur so kann sichergestellt werden, dass Lehrkräfte und Schulleitungen wieder den Kopf frei für ihr pädagogisches Kerngeschäft haben, um ihren Bildungsauftrag zu erfüllen und Schüler:innen in ihrem Lernprozess zu begleiten“, sagt Jacob Chammon, Vorstand des Forum Bildung Digitalisierung. Das Impulspapier skizziert mögliche Lösungsansätze:

  • Die Einrichtung einer zentralen Prüf- und Empfehlungsstelle für Datenschutz und Schulsoftware: Sie kann die Datenschutzkonformität von Lernplattformen, Software und Co. prüfen, sicherstellen und klare und verbindliche Empfehlungen aussprechen.
  • Schulleitungen und Lehrkräfte brauchen Hinweise, Leitfäden und Vorlagen zur Umsetzung des schulischen Datenschutzes: Landesdatenschutzbeauftragte und Kultusministeren sollten den Schulen Vorlagen zu allen datenschutzorganisatorischen Dokumenten mitsamt den Hinweisen zur Verwendung bereitstellen.
  • Damit Digitalisierung und Datenschutz an Schulen Hand in Hand gehen, müssen alle beteiligten Akteure zusammenarbeiten: Ein regelmäßiger und strukturierter Austausch zwischen Schule, Schulträger, Schulverwaltung und Datenschutzbehörde in Form von Austauschformaten wie Runden Tischen kann zum Gelingen beitragen.
  • Schulen und Schulträger brauchen nicht nur Digitalisierungs- sondern auch Datenschutzkompetenz: Die Bundesländer sollten ihre Aus- und Weiterbildungsangebote zum Datenschutz für Schulleitungen, Lehrkräfte, aber auch Schulträger ausbauen und erweitern. Datenschutzrechtliche Inhalte sollten insbesondere auch in die Lehrkräfteausbildung mit einfließen.

Das vollständige Impulspapier finden Sie hier zum Download.

Im Rahmen der neuen Veranstaltungsreihe SpotlightBD wird das Impulspapier am 08.06.2021 in der Zeit von 10:30 bis 12:00 Uhr unter der Fragestellung „Wie können wir Schulen beim Datenschutz unterstützen und entlasten?“ öffentlich vorgestellt und mit Verantwortlichen aus Politik und Verwaltung sowie Expert:innen aus Schule und Zivilgesellschaft diskutiert. Weitere Informationen und den Link zur Anmeldung finden Sie hier.

Hintergrund

Das Forum Bildung Digitalisierung setzt sich für systemische Veränderungen und eine nachhaltige digitale Transformation im Bildungsbereich ein. Im Zentrum unserer Arbeit stehen die Potenziale digitaler Medien für die Schul- und Unterrichtsentwicklung. In unseren Projekten, Publikationen und Veranstaltungen und im Dialog mit Bildungspraxis, Politik, Verwaltung, Wissenschaft und Zivilgesellschaft identifizieren wir Gelingensbedingungen für den digitalen Wandel an Schulen, bündeln die Expertise im Feld und navigieren die entscheidenden Akteure durch die notwendigen Veränderungsprozesse.

Weitere Informationen unter: www.forumbd.de.

Das iRights.Lab ist ein interdisziplinär ausgerichteter digitalpolitischer Think Tank in Deutschland. Wir sind finanziell unabhängig von Parteien und Großunternehmen und sehen uns besonders dem öffentlichen Interesse verpflichtet. Kern unserer Arbeit ist die Entwicklung von Strategien und praktischen Lösungen, um die Veränderungen in der digitalen Welt vorteilhaft zu gestalten. Im Hinblick auf vielfältige Themenkreise verfügt das iRights.Lab über ausgewiesene Expertise in der Konzeption und Organisation von Multi-Stakeholderprozessen, der wissenschaftlichen Begleitung und Auswertung von Vorhaben und der Begleitung von Teams und Führungskräften auf dem Weg der digitalen Transformation.

Weitere Informationen unter: irights-lab.de.

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Kontakt

Philipp Schulz
Kommunikation und Projektmanagement
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