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Das Material ist unter der Creative Commons Lizenz „CC BY-SA 4.0 – Namensnennung-Share Alike 4.0 International“ veröffentlicht. Urheber: Eickelmann, B., Gerick, J., Hauck-Thum, U. & Maaz, K.

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​​Der Navigator Bildung Digitalisierung (Navigator BD) wirft erstmals einen thematisch systematisierten Gesamtblick auf den Stand der digitalen Transformation im schulischen Bildungsbereich in Deutschland. Er identifiziert ausgehend von drei strategischen Handlungsfeldern – Haltung zur Kultur der Digitalität, Digital-förderliche Rahmenbedingungen und Digital-didaktische Konzepte und Qualifizierung – 21 relevante Themenfelder, die als übergreifende Indikatoren dienen können, um den Stand der digitalen Transformation systemisch zu erfassen. Mit seinen konzeptionellen Ausarbeitungen und der Zusammenführung vorliegender Studienergebnisse entwirft der Navigator BD ein umfassendes Verständnis digitaler Transformation und skizziert entlang dieser Struktur aktuelle wissenschaftliche Erkenntnisse und Forschungslücken. Daraus ergeben sich Orientierungsimpulse für zukünftige Entwicklungen und für ein systematisches Bildungsmonitoring der digitalen Transformation.

Der Navigator BD wurde auf Initiative des Forum Bildung Digitalisierung im Zeitraum Juni 2023 bis März 2024 von einem Wissenschaftler:innen-Team unter der Leitung von Prof. Dr. Birgit Eickelmann (Universität Paderborn) und der Ko-Leitung von Prof. Dr. Julia Gerick (Technische Universität Braunschweig) gemeinsam mit Prof. Dr. Uta Hauck-Thum (Ludwig-Maximilians-Universität München) und Prof. Dr. Kai Maaz (DIPF | Leibniz-Institut für Bildungsforschung und Bildungsinformation) erarbeitet.

Vier wesentliche Ableitungen zum Navigator Bildung Digitalisierung

  • Die digitale Transformation im schulischen Bildungsbereich hat in Deutschland nicht nur ein Umsetzungsproblem. Vielmehr bestehen weiterhin erhebliche Erkenntnisdefizite in Bezug auf transformationsorientiertes Wissen. Der digitalen Transformation im schulischen Bildungsbereich mangelt es nicht nur an der Übersetzung evidenzbasierter Erkenntnisse in konkretes Steuerungshandeln auf bildungspolitischer oder schulischer Ebene. Vielmehr bestehen zu vielen Themenfeldern der digitalen Transformation immer noch erhebliche Erkenntnisdefizite. Viele der vorliegenden Studien haben keinen Transformationsbezug bzw. keinen Fokus auf Transformationsprozesse, beschäftigen sich nur mit empirisch einfach(er) zugänglichen Gegenständen (z. B. technische Ausstattung und schulische Infrastruktur) oder stellen wenig Praxistransfer her. Zudem generieren sie nur wenig transformations­relevantes Steuerungswissen.
  • Es braucht in Deutschland ein gemeinsam getragenes Zielbild für die digitale Transformation und die Fokussierung auf relevante, zukunftsorientierte Themenfelder schulischer Bildung. Um die digitale Transformation im schulischen Bildungsbereich wirksam zu gestalten, braucht es eine Verständigung aller relevanten Akteur:innen über ein gemeinsames Zielbild. Mit dem Navigator BD liegt ein Konzeptentwurf vor, auf dessen Grundlage das Verständnis und eine geteilte Vision für die digitale Transformation im schulischen Bildungsbereich in Deutschland weiterentwickelt werden können. Dazu bedarf es eines gemeinschaftlichen, ko-konstruktiven und kontinuierlichen Aushandlungsprozesses mit allen am System Schule beteiligten Akteur:innen.
  • Chancengerechtigkeit sollte stärker und expliziter in Studien über die digitale Transformation adressiert werden, um ein wirksames Gesamtkonzept zur Überwindung des Digital Divide zu entwickeln. Relevante Aspekte zum Fokus Chancengerechtigkeit werden bislang in vielen Studien zur digitalen Transformation noch nicht ausreichend adressiert, obwohl sie häufig problemlos integriert werden könnten. Dabei besteht hier großer Handlungsbedarf in Deutschland. Die wenigen vorliegenden Daten zeigen, dass weiterhin Ungleichheiten hinsichtlich Ausstattung und Zugang zu digitalen Lernangeboten bestehen. Auch die sozialen Disparitäten in den digitalen Kompetenzen sind groß. Dabei zeigen qualitative Studien, dass der Digital Divide auf Einzelschulebene durch das gemeinsame Engagement aller schulischen Akteur:innen unter Einbezug von Schulträgern und Schulaufsichten überwunden werden kann. Es fehlt bisher jedoch Steuerungswissen für ein Gesamtkonzept zur Überwindung des Digital Divide in Deutschland.
  • Um den aktuellen Stand und Fortschritt der digitalen Transformation erfassen und die dynamischen Entwicklungen kontinuierlich bewerten und aufgreifen zu können, ist ein erweitertes, transformationsorientiertes Bildungsmonitoring notwendig. Aus den aktuellen empirischen Erkenntnissen zur digitalen Transformation im schulischen Bildungsbereich ergibt sich ein unvollständiges Bild. Vielen Einzelbefunden mangelt es insbesondere an einem transformationsorientierten Zugang. Der Navigator BD liefert Ansatzpunkte zur entsprechenden Weiterentwicklung von Monitoringansätzen zum Stand der digitalen Transformation. Erstens sollten etablierte Studien transformationsorientiert genutzt und vertieft werden. Zweitens muss vorhandenes datenbasiertes Wissen systematisch gebündelt werden. Drittens gilt es, Informationslücken zu aktuellen Themen und Entwicklungen bei Bedarf kurzfristig und gezielt zu schließen. Wissenschaft und Zivilgesellschaft können dabei unterschiedliche, sich ergänzende Aufgaben übernehmen. Bildungspolitik und -verwaltung sowie Schulpraxis, sollten entsprechende Erkenntnisse aus einem transformationsorientierten Monitoring entlang eines geteilten Zielbildes für ihr Handeln zu nutzen.

Über die Autor:innen

Prof. Dr. Birgit Eickelmann

Birgit Eickelmann ist Professorin für Schulpädagogik an der Universität Paderborn. Ihre Forschungsschwerpunkte liegen im Bereich der digitalen Schulentwicklung und der Transformation von Schulen und Schulsystemen im 21. Jahrhundert. Seit fast 20 Jahren erforscht sie mit einer international und europäisch vergleichenden Perspektive die Entwicklung von Schule und Unterricht unter den Bedingungen gesellschaftlicher Digitalisierungsprozesse. Für Deutschland leitet sie unter anderem die IEA-Studien ICILS 2013, 2018 und 2023.

Prof. Dr. Julia Gerick

Julia Gerick ist Professorin für Empirische Bildungsforschung mit dem Schwerpunkt Schulentwicklungsforschung an der Technischen Universität Braunschweig. Sie ist unter anderem Teilprojektleiterin in den Projektverbünden „DigiSchuKuMPK“ und „LeadCom“ im Rahmen des Kompetenzverbunds lernen:digital (Kompetenzzentrum Schulentwicklung). Zudem ist sie Mitglied des nationalen Konsortiums der International Computer and Information Literacy Study (ICILS 2023).

Prof. Dr. Kai Maaz

Kai Maaz ist Professor für Soziologie mit dem Schwerpunkt Bildungssysteme und Gesellschaft an der Goethe-Universität Frankfurt am Main und Geschäftsführender Direktor des DIPF | Leibniz-Institut für Bildungsforschung und Bildungsinformation. Er forscht und arbeitet zu den Bereichen Bildungsmonitoring und -steuerung, Evaluation von Schulstrukturen, Bildungsprogrammen und Schulen, soziale Disparitäten des Bildungserwerbs über den Lebens- und Bildungsverlauf, Bildungsbiografien und Übergangsentscheidungen unter Berücksichtigung individueller, institutioneller und kontextueller Einflussgrößen sowie Forschungssynthesen und Systematic Reviews. Seit 2014 ist er Sprecher der Autorengruppe des Nationalen Bildungsberichts und seit 2020 Mitglied der Ständigen Wissenschaftlichen Kommission der Kultusministerkonferenz.

Prof. Dr. Uta Hauck-Thum

Uta Hauck-Thum ist Professorin für Grundschulpädagogik und -didaktik an der LudwigMaximilians-Universität in München. Aktuell leitet sie die BMBF-geförderten Projekte „Digitale Chancengerechtigkeit – Digitale Lehr- und Lernumgebungen im Lese- und Literaturunterricht zur Verbesserung von Chancengerechtigkeit und Bildungsteilhabe in der Grundschule“, „BesserLesen. Mobile Anwendung zur kooperativen Leseförderung von Kindern durch KI-gestützte Spracherkennung und -überprüfung“ sowie „Poetische Bildung digital” als Teilprojekt des Projektverbunds „DiäS“ im lernen:digital Kompetenzzentrum Musik/Kunst/Sport. Zudem gehört sie dem wissenschaftlichen Beirat der BMBF-geförderten Projekte Schultransform und Kompetenzverbund lernen:digital an.