TRACK „Lernstrukturen entwickeln“

Potenziale der Digitalisierung für neue Lern- und Prüfungsformate

Individualisierung der Lernprozesse ist eines der zentralen Versprechen der Digitalisierung. In den Workshops werden diverse Ansätze der Anpassung des Lernstoffs an individuelle Bedürfnisse des Lernenden (durchaus kritisch) diskutiert. Die Frage des Feedbacks und der Leistungsbewertung wird auch unter die Lupe genommen.

Track-Patenschaft: Dr. Michael Wiedmann, Robert Bosch Stiftung

15. November

14:45 - 15:45

WORKSHOP: Selbstbestimmtes und partizipatives Lernen mit der freien Lernplattform serlo.org
Simon Köhl, Melanie Metzger, Wolfgang Schmid, Serlo Education e.V.

Wie ist Digitalisierung von Tag 1 an ein Mehrwert und keine riesige konzeptionelle und technische Hürde? Wir präsentieren digitale Lernkonzepte, welche ohne großen Aufwand umgesetzt werden können – ob ein Laptop, der als externe Wissensquelle genutzt wird, oder eine thematische Einheit mit dem Flipped Classroom Ansatz: die Pädagogik hat Vorrang. Denn das ist unsere Vision: SchülerInnen lernen selbstbestimmt, in ihrem Tempo, mit ihrer bevorzugten Methode und unterstützen sich dabei gegenseitig.

HANDS-ON: Digitales Lernen mit STIMEY
Prof. Dr. Juho Mäkiö, Hochschule Emden / Leer; Christine Haaf, Hleb Makeyeu, Kompetenzzentrum Technik-Diversity-Chancengleichheit

STIMEY ist ein EU-gefördertes Forschungsprojekt, in dem eine innovative e-Learning-Plattform entwickelt wird. Ziel ist es, Schülerinnen und Schüler im Alter von 10 bis 18 Jahren ein attraktives Lern-Tool für die MINT-Fächer zu bieten. Die Plattform bietet Funktionalitäten wie E-Portfolios zur Dokumentation von MINT-Aktivitäten, Roboter als „Lern-Kumpel“, Lernspiele (Serious Gaming) sowie unternehmerische Instrumente für die Karriereplanung. Neu ist die Kombination von MINT-Lernen mit Social Media Funktionalitäten wie z.B. sozialem Feedback, um kollaboratives Arbeiten zu unterstützen. Die Plattform bietet zahlreiche Möglichkeiten zum Erfahrungsaustausch, eigene Materialien können hochgeladen werden. Die pädagogische Begleitforschung unterstützt dabei, die Potenziale der Lern-Komponenten in formalen und informellen Lernkontexten nutzbar zu machen. In den partizipativen Forschungs- und Entwicklungsprozess werden Schülerinnen und Schüler, Lehrkräfte, Eltern und Fachleute integriert.

16:15 - 17:15

WORKSHOP: Agiles Lernen mit der Projektmanagementmethode Scrum / Lernerfolge sichtbar machen – Das e-Portfolio als eine Alternative zum klassischen Bewertungssystem
Uta Eichborn und Petra Walenciak, Friedrich-List-Berufskolleg Bonn; Wilfried Dülfer und Waldemar Sobieroj, Oskar-von-Miller-Schule Kassel

Teil 1: Agiles Arbeiten und die Projektmanagementmethode Scrum sind in der modernen, digitalen Arbeitswelt nicht mehr wegzudenken. Wir haben dieses erfolgreiche Konzept auf das Lernen übertragen und bereiten die Schülerinnen und Schüler damit auf die Arbeitsmethoden ihrer zukünftigen Arbeitswelt vor. Wir geben einen Einblick in die Methodik sowie die Abläufe, berichten von unseren Erfolgen und Herausforderungen bei der Umsetzung und freuen uns auf Ihre Fragen.

Teil 2: Anhand praktischer Beispiele aus dem Schulalltag wird aufgezeigt, wie man im Unterricht erstellte Lernprodukte von Schülerinnen und Schülern als Basis für eine veränderte und individualisierte Leistungsbewertung verwenden kann. Des Weiteren werden Optionen beschrieben, wie erzeugte Lernprodukte im Sinne eines Spiralcurriculums erweitert und ergänzt werden können.

WORKSHOP: Individualisierung mit digitalen Medien – nur alter Wein in neuen Schläuchen?
Dr. Heike Schaumburg, Humboldt-Universität zu Berlin

Bereits den ersten Lernmaschinen in den 1960er Jahren wurde ein bedeutendes Potenzial zugeschrieben, um individualisiertes Lernen in der Schule zu unterstützen. Auch wenn diese Lernlabore die hochgesteckten Erwartungen damals nicht erfüllen konnten, bleibt mit digitalen Medien die Hoffnung verknüpft, das Lernen zu revolutionieren und insbesondere den zunehmend heterogenen Lernvoraussetzungen der Schülerinnen und Schüler besser gerecht zu werden. In diesem Workshop werden einige zentrale Ergebnisse der Studie „Personalisiertes Lernen mit digitalen Medien – ein roter Faden“ vorgestellt und zum Ausgangspunkt genommen, darüber zu diskutieren, wie und unter welchen Bedingungen digitale Medien die Individualisierung von Lernprozessen unterstützen können.

17:30 - 18:30

WORKSHOP: Mathematiika und GeschiCHte – Kompetenzen individuell sichtbar machen
Philipp Lange, Anne Lieder, Gordon Schwedt, Voltaireschule Potsdam; Dr. Lena Florian, Sebastian Grabow, Universität Potsdam

Als Grundlage zur Diskussion präsentieren und reflektieren wir die Unterrichtskonzepte Mathematiika und GeschICHte der Voltaireschule Potsdam hinsichtlich ihres Potenzials zur Individualisierung von Lernprozessen mit Hilfe digitaler Werkzeuge. Im Fokus stehen dabei insbesondere das Aufbrechen tradierter Strukturen und die damit verbundene Veränderung der Lernkultur. Mathematiika und GeschICHte sind geprägt von Projektarbeiten, die die Lernprozesse der Schülerinnen und Schüler sichtbar machen und sie zugleich anregen, ihren eigenen Kompetenzzuwachs zu reflektieren. Sie durchschreiten selbstbestimmt vorgegebene Settings, die ihnen einen individuellen Zugang zur Mathematik und Geschichte ermöglichen. Ziel ist ein Bewusstwerden der eigenen Kompetenzentwicklung und des Lernverhaltens. Wir möchten Sie zu einer Diskussion anregen, die sich mit dem Transfer der Unterrichtskonzepte auf andere Fächer – insbesondere die Naturwissenschaften und Sprachen – beschäftigt.

WORKSHOP: Entdeckend und digital mit Grundschulkindern arbeiten
Kati Misselwitz, Mirjam Lewin, LIFE e.V. / Lernwerkstatt eXplorarium

Lernwerkstatt eXplorarium an fünf Berliner Grundschulen: Wir verbinden in unseren Lernwerkstätten das Konzept von Entdeckendem Lernen mit der Nutzung digitaler Medien. Wir sehen digitale Medien als ein Werkzeug, die Welt zu begreifen und anhand eigener Fragestellungen zu erforschen. Unsere Kurse werden von der Lernplattform Moodle begleitet (lernwerkstatt.explorarium.de). Für uns ein geeignetes Werkzeug für die Verknüpfung von digitalen Medien und aktivem Lernen. In den Kursen finden sich neben Fragen und Impulsen verschiedene Möglichkeiten der Dokumentation. Die SchülerInnen machen Zeichnungen, Fotos und Videos, beschreiben ihre Beobachtungen, notieren Fragen und Ergebnisse und präsentieren ihre Erkenntnisse. In dem Workshop geben wir Einblick in die mit den Kindern durchgeführten Kurse, z.B. zum Thema Muster, Fallschirme und Kreisel. Wir stellen Materialien zu den Themen bereit, und laden Sie ein selbst zu bauen. Wir freuen uns, auf Ihre Fragen und den Austausch untereinander.

16. November

10:30 - 11:30

WORKSHOP: Digital unterstützte Lehr-Lernumgebungen im Mathematikunterricht der Primarstufe am Beispiel Raum und Form
Prof. Dr. Katja Eilerts, Humboldt-Universität zu Berlin; Prof. Dr. Tobias Huhmann, Pädagogische Hochschule Weingarten

Die Zugänge zu digitalen Medien scheinen heutzutage einfach zu sein, was aber digitale Bildung in der Primarstufe wirklich ausmacht, welchen besonderen Beitrag und welche Potenziale digitalen Medien in Bildungsprozessen in der Primarstufe zukommen können ist nach wie vor wenig geklärt. Der Workshop wendet sich an Lehrkräfte, die Mathematik in der Grundschule und der Eingangsstufe der Sek I unterrichten. An Beispielen für digital unterstützte Lehr-Lernumgebungen zum Thema Pentominos und Inter-Nezzo werden konstruktiv-kritisch Potentiale zur Förderung des Lernens von elementarer Geometrie gemeinsam herausgearbeitet.

HANDS-ON: Digitale Gamebooks in der Bildung
Prof. Willi Bernhard, Fernfachhochschule Schweiz; Prof. Dr. Bodo Möslein-Tröppner, Duale Hochschule Baden-Württemberg

Beim digitalen Gamebook handelt es sich um ein interaktives Spiel, bei dem die komplette Spielumgebung durch Textkomponenten (ähnlich einem Buch) direkt im Kopf des Spielers erzeugt wird. Der Leser (= der Lernende) nimmt die Rolle des Spielers ein und kann dabei direkten Einfluss auf die Handlung des Geschehens nehmen. Im Spielverlauf stößt er immer wieder auf andere Spieler, mit denen er kollaborieren muss, um vorwärts zu kommen. Die Handlungen im Spiel können vom Lernenden beeinflusst werden. Auf diese Weise wird Wissen spielerisch erfahren und praktisch angewendet. Direkte, situationsbezogene Interaktionen erfordern persönliche Entscheidungen, geben unmittelbares Feedback und ermöglichen individuelles Lernen. Digitale Gamebooks sind relativ einfach zu erstellen, stark motivierend (Spaßfaktor) und benötigen keine speziellen Software-Entwickler. Dozierende können als Fachpersonen direkt ihre eigenen Lehr-/Lern-Inhalte aufbereiten und als Gamebook anbieten.

11:45 - 12:45

WORKSHOP: Leistungsbewertung in der digitalen Gesellschaft
Björn Nölte und SchülerInnen der Voltaireschule Potsdam: Isabel Wendel, Hannes Spitz, Loic Nawrot, Lukas Zurth, Fabian Zimmermann, Emma Burkardt, Katharina Riedel

Wer über Veränderungen des Lernens in der Schule nachdenkt, sollte immer auch die Frage der Leistungsbewertung mitdenken. Optimierungen des Unterrichts, neue Formen des Lernens scheitern oftmals an den Limitierungen der Leistungsbewertung. Meine Veranstaltung möchte folgenden Fragen nachgehen: Welche Funktionen hat überhaupt Leistungsbewertung? Welchen Rahmen geben gesetzliche Vorgaben? (Einen großen!) Welche Formen sollten wir anstreben? Dazu stelle ich Beispiele aus meinem Unterricht vor, die praktisch erprobt wurden, von SchülerInnen evaluiert sind und als Diskussionsgrundlage dienen können: digitale Klausurformen inkl. Abitur, Master-or-Die-Bewertung, Bewertung digitaler Kollaboration, verschiedene Formen des Formative Assessment wie GoFormative, Video-Feedback, Live-Feedback etc., Self Assessments; komplexe, fachübergreifende Bewertungsszenarien, ePortfolios, neue Bewertungskriterien u. a.

WORKSHOP: Fremdsprachenunterricht digital– mit Flipped Classroom und Audiofeedbacks kompetenz- und heterogenitätsorientierten Fremdsprachenunterricht ermöglichen
Mareike Gloeckner, Anna-Freud-Schule Berlin

Der moderne Fremdsprachenunterricht soll nicht nur kompetenzorientiert sein, sondern auch individualisierend auf die Interessen und Fertigkeiten des einzelnen Lernenden eingehen. Darüber hinaus soll er auf ein erweitertes Kompetenzmodell zurückgreifen, welches Kompetenzen zur digitalen Bildung berücksichtigt. Wie dies im Schulalltag umgesetzt werden kann, soll im folgenden Workshop anhand verschiedener praxiserprobter Beispiele gezeigt werden.

  • Lernvideos im Kontext des Konzepts Flipped Classroom und deren Variationen im Englisch- und Spanischunterricht
  • Vorstellung verschiedener Techniken zur Erstellung von Lernvideos, z.B. Screencast-Videos, Animationen, Wischtechnik, Zeichnungen, Interactive Whiteboards
  • Einbettung von Lernvideos in den Unterricht und begleitender Materialien
  • Kompetenzorientierung 2.0 – Einbindung Kompetenzen zur digitalen Bildung (vgl. Strategie der Kultusminister 2016) in den Fachunterricht am Beispiel der Förderung von Sprechkompetenz mithilfe von Audiofeedbacks
  • Vorstellung von Apps zur Produktion von Audiofeedbacks für Lernende und Lehrende

13:45 - 14:45

FORUM: Unterrichtsentwicklung für zeitgemäße Bildung

Der Unterricht an vielen Schulen hat sich schon geändert: die digitalen Tools kommen immer häufiger in den Einsatz, die Lehrkräfte gestalten die Stunden personalisierter, Projektarbeit ist Gang und Gäbe. Oft sind das punktuelle Änderungen, die von Lehrkräften und Schulleitungen initiiert sind. Welcher Transformationen bedarf der Unterrichtsprozess im Allgemeinen, um zeitgemäß zu sein, - welche Rolle spielen die Fächer und Fachdidaktiken, wie hängen Unterrichtsentwicklung und Schulentwicklung zusammen, in welcher Relation stehen Personalisierung des Lernens und die Kollaboration?

Gemeinsam mit Die Deutsche Schulakademie.

Moderation: Martin Spiewak, DIE ZEIT

ExpertInnen:

  • Dr. Ulf Frank Kerber,  Geschichte und ihre (Medien-Didaktik), Pädagogische Hochschule Karlsruhe
  • Stefan Knapp, stv. Schulleiter Georg-Christoph-Lichtenberg-Gesamtschule Göttingen
  • Dr. Heike Schaumburg, Institut für Erziehungswissenschaften, Humboldt-Universität zu Berlin
  • Maike Schubert, Schulleiterin Freiherr-vom-Stein-Schule Neumünster, Themenleitung für das Thema „Lernen in der digitalen Welt“ bei der Deutschen Schulakademie


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